Ehemaliger Bremer Student baut Schulen in Afrika

Die Ebolaepidemie bestimmt derzeit die Nachrichten aus Westafrika. Dort lebt auch Sekou Bangoura. In entlegenen Dörfern baut der gebürtige Westafrikaner und ehemaliger Bremer Architekturstudent Schulen für die Armen und ermöglicht ihnen damit den Zugang zu Bildung und Wissen. Wie wichtig das ist, zeigt sich einmal mehr in diesen Tagen.

Alle zwei Jahre reist Sekou Bangoura nach Bremen und berichtet seinen hiesigen Mitstreitern von den Fortschritten seines Projekts. Bangoura ist Projektleiter des gemeinnützigen Bremer Vereins Kania, der sich dafür einsetzt, Bildungsmöglichkeiten in Westafrika zu schaffen. Trotz Ebolaepidemie kam der ehemalige Bremer Student kürzlich fit und voller Tatendrang in der Hansestadt an. Zwei Monate ist der 49-Jährige nun in der Stadt, um unter anderem auch auf Sponsorensuche zu gehen.

Mit dem Bau von Schulen in den Dörfern Guineas möchte Sekou Bangoura den Kindern Bildung ermöglichen und über Krankheiten wie Ebola aufklären. Auf dem Stundenplan der 5- bis 17-Jährigen stehen rechnen, lesen, schreiben, Biologie und Geschichte. Im Heimatkunde-Unterricht wird auch das Thema Hygiene behandelt. Dort sprechen die Lehrer aktuell viel über Ebola. „In unseren Dörfern ist die Krankheit noch nicht ausgebrochen. Glücklicherweise liegen sie sehr abgeschieden. Zudem sind die Menschen aufgeklärt“, so Bangoura.

Hilfe zur Selbsthilfe
Aufgewachsenin einer Großfamilie mit Zugang zu Bildung, beschloss Bangoura den Menschen in den abgeschiedenen Dörfern seiner Heimat dies auch zu ermöglichen. Rund 90 Prozent sind Analphabeten. Mit diesem Ziel kam er 1993 nach Bremen, studierte Architektur an der Hochschule. Währenddessen testete er Baumaterialien auf Tropentauglichkeit und erarbeitete ein Konzept, das sowohl schulisches als auch handwerkliches Wissen beinhaltet. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Doch ohne Spenden unmöglich. „Es gibt viele Menschen, die helfen wollen, aber nicht wissen wie. Ich gebe ihnen einen Anreiz”, sagt Bangoura. „Für mich war klar, das Projekt muss funktionieren“.

Und es lief: Er bekam ein Stipendium und fand Unterstützer. Fünf Jahre dauerte der Bau der ersten Schule, finanziert mit 35.000 Euro. Seit 2006 lernen dort 75 Jungen und Mädchen. 2012 haben Bangoura und seine Bremer Mitstreiter den Verein Kania – Förderkreis für Bildung in Guinea/Conakry gegründet. Im gleichen Jahr war die zweite Schule fertig, ein Jahr später die dritte. „Beim Bau sind die Menschen in den Dörfern gefragt und auch äußerst engagiert“, so Bangoura. Sie schleppen die Findlinge für das Fundament sowie Sand und Kies auf dem Kopf heran und brennen die Steine selbst. Es gibt keinen Strom, kein fließend Wasser. „Sie bekommen dafür kein Geld aber ich bilde sie aus, indem ich ihnen das handwerkliche Wissen vermittle.”

Mittelpunkt des Dorfes
Die Schulen werden gut besucht, teilweise ist die Nachfrage höher als das Angebot. Wenngleich manche Eltern erst überzeugt werden müssen, ihre Kinder besser in die Schule statt zur Arbeit zu schicken, so Bangoura. Andere Eltern verfolgten mit großen Wohlwollen die Fortschritte ihrer Kinder. Die Schulen sind Treffpunkt für die Älteren und bilden das Herz des Dorfes.

Mittlerweile sind drei Schulen Modellschulen im Land. Seit 2013 zahlt der Staat auf Initiative Bangouras einen Teil der Lehrergehälter. Die Sogwirkung seiner Idee ist enorm: Häuptlinge anderer Dörfer bitten ihn um eine Schule. Mit den Worten “Wir sind dunkel und leben im Dunkeln, doch wir möchten aus der Dunkelheit hinaus”, trat einst ein Häuptlich auf den Architekten zu.

Mitte November wird Sekou Bangoura wieder nach Guinea fliegen und eine vierte Schule mit seinen Landsleuten aufbauen.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.kania-ev.de.

Text: Sheila Schönbeck

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