Darts erfreut sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit

Wenn die “180″ aus dem Mund von Tomas “Shorty” Seyler ertönt, kann es bei einigen Zuschauern durchaus zu Gänsehaut führen. Durch seine einzigartige Stimme und seine lockere, lustige Art verhilft der gebürtige Bremerhavener dem Darts-Sport als TV-Experte zu einer Steigerung der Popularität. Vor allem während der Darts-WM schalten immer mehr Leute beim Sportsender SPORT1 ein. Ein Grund dafür ist der 40-Jährige, der im Interview über die Berichterstattung, die Atmosphäre bei der WM sowie die deutsche Darts-Szene spricht.

01/ Erst einmal Glückwunsch zu der erfolgreichen Berichterstattung bei der Darts-WM, Herr Seyler!

Vielen Dank! In diesem Jahr war es ein wenig umfangreicher und anstrengender als die letzten Jahre. Aber ich denke wir sind auf einem guten Weg, das Ganze ein wenig aufzulockern und den “englischen Weg” zu gehen.

02/ Was meinen Sie mit dem “englischen Weg”?

In England bei Sky Sports wird mit einer sehr großen Liebe zum Detail gearbeitet. Sie stellen die Spieler vor, die Abläufe bei der WM und die einzelnen Charaktere werden näher beleuchtet. Davon haben wir uns inspirieren lassen und versucht, es auch in Deutschland rüberzubringen. Das ist uns ganz gut gelungen.

03/ Lässt sich daraus auch der neue Zuschauerrekord bei SPORT1 erklären?

Davon gehe ich aus. Es hat das Paket einfach runder gestaltet. Im Radio, Fernsehen und im Internet haben wir alles gegeben: von Informationen, über die Bestellung von Ausrüstungen, bis hin zu der Erwähnung, wann in Deutschland Vorausscheidungen für die WM laufen. Ich denke, dass einfach das Gesamtpaket gestimmt hat.

04/ Mit drei deutschen Teilnehmern, wovon zwei noch in die zweite Runde gekommen sind und große Darts-Profis aus dem Turnier warfen, gab es so viel Berichterstattung um den deutschen Darts-Sport wie noch nie. Kann man da noch mehr erwarten in Zukunft?

Ja, ich denke schon. Alleine durch diese umfangreiche Berichterstattung haben wir eine breite Masse erreichen können und hoffen immer mehr Leute vor die Darts-Scheibe und zu Turnieren zu bekommen. Die deutschen Turniere in diesem Jahr sind schon fast alle ausverkauft, aufgrund der erfolgreichen WM. Viele finden Gefallen an der Mischung aus dem Präzisionssport und der Party als Zuschauer.

05/ Während der WM haben Sie im Zuge der Kommentierung angekündigt, dass bei der nächsten Weltmeisterschaft vom Dezember 2015 bis Januar 2016 ein Deutscher im Viertelfinale stehen wird. Was macht Sie persönlich so optimistisch?

Weil wir momentan sehr große Erfolge erzielen. Mit Max Hopp haben wir ein großes Talent, das sich zum dritten Mal in Folge für die WM qualifizieren konnte. Er trainiert zusammen mit den Niederländern und wird oft für Messen und Exhibitions gebucht, so dass er sich den Weg zum Dart Profi finanzieren könnte. Zudem hat sich die breite Masse an E-Darts-Spielern verbessert und findet ihren Zugang zum Steel-Darts (der normalen Darts-Scheibe, Anm. d. Red.).

06/ Ist das der große Nachteil für Deutschland, dass die erfolgreichsten Darter alle Profis sind und das in Deutschland bisher nicht so umsetzbar ist?

Ja, vollkommen richtig. Das Problem in Deutschland sind die Anfahrten und die Bezahlung. Diese Tour kostet um die 25.000 bis 30.000 Pfund im Jahr, die durch Preisgelder oder Sponsoren refinanziert werden müssen.

07/ Können Sie uns einmal die Atmosphäre bei der Darts-WM im Alexandra Palace, “Ally Pally”, in London für die Zuschauer näher bringen, die Darts bisher nicht verfolgt haben?

Die Atmosphäre ist wie bei einem Karneval-Event. Die Leute haben Lust zu feiern, verkleiden sich und schreiben Kärtchen mit verrückten Sprüchen darauf, wie “Chef es wird morgen ein bisschen später” oder ähnliches. Zudem werden die Leute für ihre Kostüme noch belohnt und die besten werden ausgezeichnet. Somit bleibt der Wahn auch erhalten.

08/ Gibt es denn auch in Bremen eine große Darts-Szene?

Definitiv! Für unsere kleine Stadt ist die Szene recht groß. Wir haben den HBDV e.V. mit drei Ligen in Bremen, einer zusätzlichen Vierer-Liga und einer sehr guten E-Darts-Szene. Das geniale an Bremen ist, dass ich mich in die Straßenbahn setzen kann und so zu jedem Spielort gelange. In München müssen teilweise bis zu 300 Kilometer zurückgelegt werden.

09/ Können Sie mir einen Grund nennen, warum man bei der Darts-WM einschalten oder sogar selber mit dem Darts anfangen sollte?

Darts ist ein Sport, der die Konzentration und die Fokussierung fördert. Dabei kann neben dem Einzel- auch im Team erfolgreich gespielt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht groß Geld ausgeben muss, um damit anzufangen. Mit 100 Euro bekommt man schon eine Ausrüstung mit Dartpfeilen und Flights, die auch lange halten.

Darts-Interessierte können sich unter www.hbdv-ev.de über Turniere und Ligen in Bremen informieren. Im TV zeigt SPORT1 auch weiterhin die großen Darts-Turniere live: u.a. die Premier League (5. bis 26. Februar wöchentlich am Donnerstagabend) und die UK Open (6. bis 8. März)

Text: Sebastian Rother
Foto: Getty Images

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