Daniel Ruczko hat in Cannes den Kurzfilmwettbewerb gewonnen

Das Bremen nicht unbedingt der Mittelpunkt der internationalen Filmszene ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass mit „Wake Up!“ ein Werk eines Bremer Regisseurs bei den Filmfest- spielen in Cannes als Bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde, wissen hingegen die wenigsten. Und Daniel Ruczko ist es auch gar nicht so unlieb, dass er in seiner Heimatstadt eher unbekannt ist.

Von der Idee bis zum fertigen Film entsteht bei ihm alles in Eigenregie. Ruczko schreibt das Drehbuch, führt Regie und steht, zumindest bei „Bipolar“, seinem ersten Film überhaupt, selbst vor der Kamera. Beim Schneiden und der Feinarbeit hilft ihm ein Freund, den er kennt, seit er fünf Jahre alt ist. Mit ihm zusammen hat er auch seine eigene Firma „Misfit Media“ gegründet, bei der er seine Filme herausbringt.

Bereits im Alter von 12 Jahren begann Ruczko Musik zu machen. Er veröffentlichte Alben und arbeitete als DJ. Als „Rusher“ veröffentlichte er diverse Drum&Bass Mixe zum freien Download und erreichte mit jedem mehr als 80.000 Hörer. Aber wie kam er zum Film?
„Ich habe eigentlich gar keinen Kontakt zur deutschen Filmszene und bin eher zufällig ins Filme machen reingerutscht. Ich hatte auch nie das Ziel, Filme zu machen, habe dann aber die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennengelernt.“ Als seine damalige Freundin ihn auf einen Wettberwerb für einen Energy-Drink hinwies, reichte er kurzerhand sein Konzept für „Bipolar“ ein – und gewann. Das Geld, das er dafür erhielt, steckte er ins Equipment, umgesetzt wurde in Handarbeit. „Bipolar“ lief auf diversen Kurzfilmfestivals in den USA und räumte zahlreiche Preise ab. Gleich der erste Film ein Erfolg – umso verwunderlicher, das Ruczko sich praktisch alles autodidaktisch beigebracht hat.

Inhaltlich behandelt der junge Filmemacher Themen, die ihn persönlich berühren. Ging es bei Bipolar um einen manisch depressiven Mann, so handelt „Wake Up!“ von jemandem, der sein Leben vor sich hinlebt ohne das zu tun, wovon er eigentlich träumt. Ganz anders als im Leben des Bremen-Norders der genau das macht,wozu er Lust hat: Und das ist momentan Fime machen. „Aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren aussieht? Vielleicht mache ich dann wieder etwas ganz anderes …“

Während Daniel Ruczko in den USA schon diverse Preise gewonnen hat und sich immer größer werdender Bekanntheit erfreut, ist der 31-Jährige in seiner Heimat weites gehend unbekannt. Sein mehrfach prämierter Film „Bipolar“ wurde sogar von der Berlinale ab- gelehnt, da er zu amerikanisch sei, wie es in der Begründung hieß. Ein Urteil, das Ruczko überhaupt nicht nachvollziehen kann: „Ich bin Deutscher, der Film wurde in Deutschland gedreht und es gibt auch eine keine großen amerikanischen Vorbilder, denen ich nachzueifern versuche. Was bitte ist an dem Film also amerikanisch?“ Aber so sehr störe ihn dass Urteil dann auch wieder nicht. Denn eigentlich, so Ruczko, sei es ihm nicht wichtig, wie andere seine Filme beurteilen. Da er selbst sein größter Kritiker sei, müssen sie vor allem ihm gefallen.

Derzeit pendelt der Filmemacher zwischen Los Angeles und Bremen Grambke hin und her, verbringt in etwa de Hälfte des Jahres in der Filmmetropole und die andere im beschaulichen Bremen-Nord. „So sehr ich mich immer wieder auf die USA freue, und das Engagement der Leute und auch ein wenig die Hektik dort brauche, freue ich mich auch jedes Mal darauf, nachhause zurückzukehren. In Grambke finde ich die Zeit und die Ruhe, meine Ideen schriftlich umzusetzen.“

Von seinen Filmen leben kann er derzeit noch nicht, aber das ist ihm auch nicht so wichtig, zumal er mittlerweile einen so großen Bekanntheitsgrad in den USA erreicht hat, dass er für andere Arbeiten, zum Beispiel Imagefilme oder Filmmusiken, gebucht wird.

Demnächst reist er wieder nach Kalifornien. Sein erster Spielfilm steht an. Das Drehbuch, eine Science-Fiction-Story, hat er natürlich selbst geschrieben. Worum es genau geht, will er noch nicht verraten. Und ob es nach Cannes dann vielleicht sogar für den Oscar reicht? Es wäre ihm
wahrscheinlich nicht einmal wichtig …

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