Judith Holofernes über ihr Soloalbum „Ein leichtes Schwert“.

Nach knapp zwölf Jahren Bandgeschichte beschloss die Band Wir Sind Helden eine Pause von unbestimmter Länge einzulegen. Eigentlich wollte Sängerin Judith Holofernes einen Roman schreiben. Dann kam alles doch ganz anders und so veröffentlichte sie im Februar ihr Soloalbum „Ein leichtes Schwert“. Im Interview spricht die 37-Jährige über die Gründe der Helden-Pause, ihr aktuelles Werk und erklärt, warum ihre Tour ausgerechnet in Bremen startet.

01/ Am 20. Februar erschien, fast wie aus dem Nichts, Ihr Soloalbum „Ein Leichtes Schwert“. Eigentlich wollten Sie doch erst einmal nichts mehr mit Musik zu tun haben, Nun haben Sie viele damit überrascht …

Judith Holofernes: Gott sei Dank, das war ja auch der Trick. Es hat sich ergeben, dass ich offensichtlich doch mehr Musikerin bin, als ich in dem Augenblick selbst dachte. Ich wusste, das zu dem Zeitpunkt selbst auch nicht. Wir haben mit Wir Sind Helden nicht aufgehört, weil ich eine Soloplatte machen wollte, sondern weil wir als Band keine Visionen mehr hatten, wie es bei uns weitergehen soll. Für mich war es schön, dass mir nach der Trennung alle Möglichkeiten offen standen.

02/ Was meinen Sie damit?

J.H.: Ich habe viele Sachen parallel angefangen und fand es schön, dass ich einmal keine Priorität auf das setzen musste, was andere Leute als das Wichtigste empfinden. Ich habe Songs geschrieben und gleichzeitig mit Freundinnen angefangen zwei Bücher zu schreiben.

03/ Während die Helden-Alben von Album zu Album immer „erwachsener wurden, hat man bei „Ein leichtes Schwert“ das Gefühl, Judith Holofernes macht das, worauf sie gerade Lust hat und haut einfach mal einen raus.

J.H.: Genau so war das auch. Und so hat sich das auch angefühlt. Wobei ich finde, dass mein Album vom Sound eher der letzten Helden-Platte gleicht, dafür aber vom Geist ganz klar der ersten.

04/ Wie ist das Album entstanden?

J.H.: Ich habe ungefähr ein Jahr lang alleine Demos aufgenommen. Zunächst in meiner Wohnung, bis ich bemerkte, dass das mit Kindern in der Wohnung nicht so einfach ist. Also habe ich mir ein Arbeitszimmer gesucht, in dem ich selbst ziemlich behämmerte Demos aufgenommen habe. Ich finde die aber immer noch so schön, dass sie zumindest zum Teil auf der Platte Verwendung gefunden haben.

05/ Wo denn zum Beispiel?

J.H.: Beim siebten Stück namens M.I.L.F. Es ist das Demo mit neuem Bass und neuem Schlagzeug. Es sind sieben Gesänge übereinander und wir hatten das Gefühl, dass ich das nie wieder so sorglos und bescheuert hinbekomme. Das wollte ich aber gerne, da es in dem Song um die Ekstase des sich gegenseitig Musikvorspielens geht. Außerdem gibt es ja auch eine Box zu meiner Platte, in der sich drei weitere Demos befinden.

06/ Letztendlich sind Sie aber größtenteils dann doch von den Demos abgekommen … Irgendwie griff da noch so ein Helden-Mechanismus.

J.H.: Ich dachte, das waren die Demos und jetzt geht es richtig los. Jetzt muss ich alles ganz toll machen. Also habe ich nach einem Gitarristen gesucht, der dazu passen würde. Habe aber keinen gefunden. Und dann habe ich Ian (Ian Davenport, der Produzent, Anm. d. Redaktion) angerufen und ihm gesagt, dass ich einen Gitarristen bräuchte, der so spielt wie ich, nur besser.

07/ Und was hat Ian Davenport daraufhin gesagt?

J.H.: „Du könntest auch üben“,
war Ians Antwort. Also bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe das getan. Wir haben dann praktisch zu dritt mit Jörg Holdinghausen am Bass und Pola Roy (Judith Holofernes Mann) am Schlagzeug das Album eingespielt.

08/ Sie sind jetzt auch richtig Chefin, oder?

J.H.: (lacht) Ja.

09/ Wie ist das so? Leichter als gedacht. Früher hätte ich das nicht gut gekonnt, jetzt hat das aber so eine Selbstverständlichkeit bekommen.

10/ Es fällt auf, dass Sie ziemlich viele musikalische Stilrichtungen auf dem Album bedienen.

J.H.: Ich habe einen breit gefächerten Musikgeschmack der durch eine gewisse Affinität zu Groove zusammengehalten wird. Ich habe noch nie gefühlt, dass man sich in der Musik beschränken muss und finde auch Zitate und Ausflüge in der Musik toll.

11/ Warum der Titel „Ein leichtes Schwert“? Irgendwie muss eine Platte ja heißen.

J.H.: Ich habe es immer gerne wenn ein Albumtitel aus den Songtiteln rekrutiert wird. Ich finde das am Organischsten. Ich hatte bei „Ein Leichtes Schwert“ am ehesten das Gefühl, dass es für das komplette Album steht, weil es für mich auf der einen Seite auf die Leichtigkeit anspielt und auf der anderen Seite auch Wumms, Klarheit und Schlagfertigkeit suggeriert. Alles was man mit einem Schwert so ausdrücken kann.

12/ Der Tourneeauftakt findet in Bremen statt. Ein Zufall?

J.H.: Kein Zufall. Ich habe gesagt, ich möchte meine Tour in einer meiner Lieblingsstädte anfangen. Bremen ist so ein schönes Zwischending. Ich habe in Bremen viele Freunde und in Berlin viele Freunde, die aus Bremen kommen. Das heißt, ich bin vertraut mit der Stadt, aber nicht so vertraut wie mit Berlin. Dort würde ich nie mein erstes Konzert geben. Mein erstes Konzert ist für mich immer sehr aufregend. In Bremen ist es vertraut genug, um ein bisschen von der Aufregung wegzunehmen und es ist aber nicht so wie in Berlin, wo alle Freunde von mir kommen und ich mich deswegen schon wieder total unsicher fühle. Außerdem finde ich den Schlachthof total schön.

Am 2. April stellt Judith Holofernes ihr neues Album ab 20 Uhr im Schlachthof vor.

Text: Martin Märtens 
Foto: Julia Gajewski

Info

Wir verlosen 2×2 Karten für das Konzert.

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