Das Eisbärjungtier im Zoo am Meer ist erneut ein Weibchen und kerngesund. Foto: oo am Meer

Die kleinen Knopfaugen schwarz, die Schnauze ganz schmutzig – so sieht Bremerhavens derzeit prominentester Neuzugang bei seinem ersten Fototermin aus. Und obwohl zunächst anders vermutet: Das Eisbärbaby ist ein Mädchen.

Von Sarah Lütjen

Alle waren sich sicher. Dieses Jahr ist der Eisbärnachwuchs ein Junge. Im Gegensatz zu Lale, dem Eisbärmädchen aus dem letzten Jahr, war dieses Baby um einiges ruhiger – um nicht zu sagen fauler. Es blieb deutlich länger alleine und schrie auch weniger. Und es wog zum gleichen Zeitpunkt auch deutlich mehr als seine große Schwester. Daher schien es für die Tierpflegerinnen des Zoos eindeutig: Dieses Jungtier muss ein Männchen sein.

Doch am 23. Februar wurde das Gegenteil festgestellt. In der vierminütigen Trennung von Mutter Valeska wurde das Geschlecht und das Gewicht bestimmt, und die junge Dame bekam ihre erste Impfung. Die kleine Eisbärin ist gesund und munter und bringt ein Gewicht von stolzen 11,1 Kilogramm auf die Waage. Lale wog im selben Alter nur 8,7 Kilo. Zur Geburt war das kleine Mädchen jedoch um einiges leichter. Eisbärjungtiere wiegen zwischen 600 und 700 Gramm und sind damit nicht größer als ein Meerschweinchen.

Laut Zoodirektorin Dr. Heike Kück kümmert Mutter Valeska sich vorbildlich um das am 11. Dezember 2015 geborene Jungtier. Die ersten Wochen stieg Valeska nur einmal am Tag auf um zu trinken. Ansonsten hielt sie das Jungtier warm und wechselte nur alle sechs bis zwölf Stunden ihre Körperlage. Außerdem verlässt Valeska die Wurfhöhle die ersten drei bis vier Monate nicht. Sie wurde vor der Geburt von den Tierpflegern gemästet und legte fast das doppelte ihres Gewichtes zu. Dies ist nötig, damit sie die Monate nach der Geburt ohne Essen auskommt und es überhaupt zu einer Schwangerschaft kommt. Denn bei Eisbären gibt es eine sogenannte „Eiruhe“. Das befruchtete Ei verharrt nach der Paarung am Ende des Eileiters und erst wenn die Eisbärenmutter ein Gewicht von circa 300 Kilogramm erreicht, nistet das Ei sich in der Gebärmutter ein und die eigentliche Trächtigkeit beginnt. Somit kann man die Schwangerschaft bei Eisbären schlecht einschätzen. Die eigentliche Entwicklung des Babys dauert nur etwa zwei Monate, was das Geburtsgewicht erklärt.

Die erste Herausforderung, die Mutter und Kind nach der Geburt überstehen mussten war die Silvesternacht. Man hatte Angst, dass Valeska sich durch die Raketen und Böller gestört fühlt und unruhig wird. Also wurde versucht dem vorzubeugen, indem man die Wände der Wurfbox zusätzlich mit Stroh schalldichter machte und man begann bereits am Silvestermorgen Klaviersonaten durch die Wände der Wurfbox zu spielen. So sollte Valeska an die Geräuschkulisse gewöhnt werden. Außerdem wurde der Willy-Brandt-Platz neben dem Zoo in der Silvesternacht gesperrt, damit keine Flaschen oder Raketen den Weg ins Gehege finden konnten. Somit überstanden Mutter und Jungtier die Silvesternacht ohne Probleme und gelangten entspannt ins neue Jahr.

In den folgenden Wochen wird das kleine weiße Fellknäuel im Innenbereich des Eisbärengeheges schwimmen und Treppen steigen lernen. Erst wenn es dies sicher kann, darf es auf die Außenanlage. Zoodirektorin Kück glaubt, dass das Jungtier voraussichtlich Mitte März für Zoobesucher auf der Außenanlage zu sehen sein wird.

Wenn die junge Eisbärin alt genug ist, um von der Mutter getrennt zu werden, wird sie – ähnlich wie ihre große Schwester – in einen anderen Zoo gebracht. Das Gehege in Bremerhaven ist schlichtweg zu klein für weitere Tiere. Die nächsten anderthalb Jahre werden Mutter und Tochter aber noch gemeinsam in Bremerhaven verbringen.

Die einzige Frage, die nun noch aussteht, ist der Name des kleinen Mädchens. Wie auch schon bei Lale soll dieser durch einen Wettbewerb entschieden werden. Jeder kann mitmachen und seine Vorschläge beim Zoo am Meer einreichen. Der Wettbewerb beginnt voraussichtlich Anfang März.