Ein nachdenklicher Tim Fischer vor seinem Auftritt im Sendesaal

Aufgewachsen in Delmenhorst zog es den Chansonnier Tim Fischer schon in jungen Jahren in die großen Städte. Er wurde zur „Rinnsteinprinzessin“, gab Zarah Leander und Georg Kreisler auf der Bühne, war im Tatort zu sehen und heimste zahlreiche Auszeichnungen, vom deutschen Kleinkunstpreis (1995) bis zum Deutschen Chansons-Preis (2015) ein. Vor zwei Jahren feierte der heute 42-Jährige sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Beim Gespräch mit dem Bremen Magazin, in dem es unter anderem um seine Beziehung zur alten Heimat geht, zeigte sich Fischer vor allem ob der Terroranschläge von Paris tief betroffen.

 

Von Martin Märtens

 

Sie stehen seit mittlerweile 27 Jahren auf der Bühne – und das im Alter von gerade einmal 42 Jahren. Sind Sie eine Rampensau?

Ja, kann man so sagen. Es gehört ja auch zu meinem Beruf.

Wie kam es, dass Sie sich gerade dazu entschieden haben, Chanson zu machen?

Ich bin über meine Großmutter zu der Musik gekommen. Das Lied „Lili Marleen“ hat mich sehr begeistert. Für mich war damals schnell klar, dass das Chanson, also das Erzählen von Geschichten mitten aus dem Leben, mein Sprachrohr in die Welt sein würde.

Sie haben sehr jung das Elternhaus verlassen, um als Künstler auf der Bühne zu stehen.

Das Künstlerische hat mich schon als kleines Kind begeistert. Bereits mit 17 Jahren hatte ich das Gefühl, in Oldenburg an meine Grenzen zu stoßen. Ich wollte raus, möglichst nach New York. Letztendlich ist es dann erst einmal Hamburg und das Schmidt Theater auf der Reeperbahn geworden.

Sie leben jetzt schon länger als ein Vierteljahrhundert nicht mehr in der Region. Haben Sie dennoch einen Bezug zu ihrer alten Heimat behalten?

Und ob. Meine Patenkinder, mein Bruder, meine Nichte und meine Mutter leben in Bremen. Mein Vater wohnt in Delmenhorst und zudem unterstütze ich dort die Aktion „KinderWunschBaum“. In Delmenhorst ist statistisch gesehen jedes dritte Kind von Armut betroffen. Ich habe dort unter anderem im November ein Benefiz-Konzert gegeben, so dass diesen Kindern wenigstens einmal im Jahr ein Herzenswunsch erfüllt werden kann.

In Bremen treten Sie im Sendesaal auf, zudem Sie auch eine langjährige Beziehung pflegen.

Das ist richtig, ich verbinde mit diesem fantastischen Saal viele positive Erinnerungen. Zum einen habe ich dort schon mit grandiosen Musikern zusammengearbeitet und viele meiner CDs produziert, zum anderen ist es aber einfach auch ein Klangerlebnis dort aufzutreten.

Haben Sie Pläne für die Zukunft?

Für den Herbst kommenden Jahres habe ich die Veröffentlichung eines neuen Programms nebst Album geplant. Der Titel „Absolut Tim Fischer“ zeigt dabei schon, dass ich jetzt das Gefühl habe, einigermaßen bei mir angekommen zu sein. Irgendwann muss man bei allem Suchen sich auch mal finden.

Wie geht es Ihnen als Künstler mit Blick auf den Terror von Paris, der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover sowie der Absage des Helge-Schneider-Auftritts am gleichen Tag in der Leine-Stadt?

Es ist eine fürchterliche Situation, ich fühle mich machtlos, wie eine Marionette. Wir müssen ab jetzt damit leben, dass so etwas jederzeit bei uns auch passieren kann. Ich glaube, dass sich das Leben in unserem Land verändern wird.

Helge Schneider musste einen Auftritt aus Sicherheitsgründen absage. Gehen Sie mittlerweile mit Angst auf die Bühne.

Wenn man sich die Grausamkeit der Welt anguckt, überleben wir alle doch wahrscheinlich nur, weil wir sehr gut im Verdrängen sind. Ich bin von Grund auf kein ängstlicher Mensch, zudem lebe ich von meinem Beruf – also stellt sich bei mir gar nicht die Frage Angst vor irgendwelchen Anschlägen, in welcher Form auch immer, zu haben.

Erinnern Sie sich noch an ihre Tournee die Sie ins syrische Damaskus, nach Ägypten (Kairo) sowie den Sudan (Khartoum) geführt hat?

Natürlich, es war damals, 1996 – also vor knapp 20 Jahren – alles schon ein wenig unheimlich. Überall standen bewaffnete Soldaten. Es war eine vom Goethe-Institut organisierte Tournee, deren kultureller Wert im Nachhinein zumindest angezweifelt werden darf. Ich habe dort vor den Scheichs, die in Sesseln saßen, gesungen, während das „normale“ Publikum auf dem Boden saß. Ich glaube nicht, dass sie mich überhaupt verstanden haben. Ich erinnere mich aber auch, wie herzlich und nett die Menschen zum Beispiel in Damaskus waren. Schlimm, was dort gerade passiert.

 

Tim Fischer: Geliebte Lieder am Mittwoch, 9. Dezember, um 20 Uhr im Sendesaal Bremen