Nach 40 Jahren Sixdays: Frank Minder ist als Veranstalter zurück

Nachdem sich die Eltern haben scheiden lassen, wuchs Frank Minder am bei seinen Großeltern am Osterdeich auf. Das Weserstadion praktisch vor der Nase. „Vielleicht rührt meine Fußballbegeisterung daher“, sagt Minder mit einem Lächeln. Sport sollte sein Leben im Anschluss entscheidend prägen – allerdings nicht der auf zwei Beinen, sondern der auf zwei Rädern, bei dem es immer nur im Kreis herum ging.

Eher zufällig ist Frank Minder, der sich selbst als Alt-68er bezeichnet, im Laufe der Jahre zum Mr. Sixdays wurde, zum Bremer Sechs-Tage-Rennen gekommen. Weil er sich nicht entscheiden konnte, was er nach der Schule machen wollte, entschied er sich schließlich auch aufgrund des väterlichen Drucks zu einer Lehre im kaufmännischen Bereich. „Ich habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht unbedingt meine Welt war“. Das Vertriebswesen reizte da schon mehr und im Alter von nur 24 Jahren war Minder bei der größten deutschen Autovermietung für den gesamten norddeutschen Raum zuständig. Bis er mit seiner Firma beim Sechstage-Rennen Werbung machte und dort den damaligen Sixdays-Veranstalter Willi Röper traf, der ihn mit den Worten: „Kleiner, du als Buchhalter machst jetzt mit mir das Sechstage-Rennen“ abwarb. Nur drei Monate später hatte Minder seinen alten Job gekündigt und bei den Sixdays angeheuert. Zu dem Zeitpunkt ahnte wohl noch niemand, dass die Veranstaltung für die kommenden 40 Jahre sein Leben prägen sollte.

Als Minder Anfang der 70er Jahre mit seinem neuen Job begann, waren die Sixdays in Bremen noch ein relativ kleines Rennen. „Wir hatten so um die 30.000 Besucher“. Dortmund war damals mit um die 100.000 Besucher führend. Also musste man sich überlegen, wie man etwas verändern konnte. „Die Bremer konnten mordsmäßig feiern – nur vom Radsport hatten sie leider wenig Ahnung. Also entschlossen wir uns, ein Hauptaugenmerk auf das Showprogramm zu legen und zusätzlich ein spitzenmäßiges Fahrerfeld zu präsentieren“, so Minder. Das Konzept ging auf. Die Bremer Veranstaltung gewann immer mehr Zulauf, immer mehr Hallen wurden mit einbezogen bis schließlich das Bremer Sechs-Tage-Rennen das Größte der Welt war. Zu dieser Zeit wurde auch der Satz geprägt: „Das einzige was stört, sind die Radfahrer“. „Das stimmte so natürlich auch nicht“, sagt Minder und fragt: „Wer kann schon acht Stunden auf der Tribüne sitzen und nur gucken?“.

Die Mixtur aus Sportveranstaltung auf der einen sowie sich stetig vergrößerndem Showprogramm auf der anderen Seite zahlte sich aus. Widerstände dagegen kamen vor allem von außen, vom „Karneval in Bremen“ war die Rede. Für Minder nur der nackte Neid: „Wir hatten doch alle Top-Leute hier – Moser, Fignon, Zabel. Wo gab es das sonst?“

Das Rennen in Bremen unterschied sich auch ansonsten von den übrigen Veranstaltungen. Sind normalerweise der Freitag und der Sonnabend die am besten besuchten Tage, kristallisierte sich in der der Hansestadt schon schnell der Montag als absoluter Publikumsmagnet heraus. „In ganz Deutschland haben meine Kollegen mit dem Kopf geschüttelt, es war ein Phänomen mit dem Montag“. Anfangs noch ein Geheimtipp entwickelte sich der Wochenanfang immer mehr. Schiffsmakler, Banker, Spediteure und Friseurinnen – der Montag wurde zum Bremer Tag. „Ich hätte am Montagabend zwanzig Mal so viele Logen verkaufen können, wie vorhanden waren“. Das Sechs-Tage-Rennen war gesellschaftlich akzeptiert.
Auch der Frühschoppen am Sonntag war etwas besonderes. Nachdem der Sonntag zunächst sehr mau lief (Minder: „Ich konnte die Gäste per Handschlag begrüßen“), hatte der Sixdays-Macher die Idee, einen Familientag zu veranstalten. Der Erfolg gab ihm Recht, obwohl es anfangs auch Probleme gab: Wir hatten nur sehr kurze Zeit zum Aufräumen, es mussten fünf Tonnen Müll aus der Halle gebracht und alle Stände wieder neu beschickt werden. Mit den Jahren hat sich dann aber alles immer besser eingespielt.“

Eine besondere Tradition erlangte auch der Startschuss: Bud Spencer, David Hasselhoff, Joopi Heesters oder auch Nena gaben sich dabei die Ehre. Und musikalisch wurden vor allem Klaus & Klaus zum festen Bestandteil der Veranstaltung.

Ende der 80er Jahre gab es dann aber erste Probleme: „Wir konnten einige Fahrer einfach nicht mehr bezahlen. Viele konnten auch gar nicht mehr Bahnfahren oder wurden von ihren Teams nicht in die Halle gelassen.“ Die Dopingskandale rund um den Radsport taten ihr übriges. Nachdem 2011 der Veranstalter-Vertrag auslief, wurde die Ausrichtung des Rennens von der Wirtschaftsbehörde ausgeschrieben. Nachdem in der Öffentlichkeit reichlich schmutzige Wäsche gewaschen wurde, hatte Minder auch gar keine Lust mehr zu veransatlten. Dennoch guckt er heute nicht griesgrämig auf die Vorfälle zurück. „Ich wünsche den aktuellen Veranstaltern alles gute“, sagt der bekennende Raucher und fügt an: Ich kann auf 40 tolle Jahre zurückgucken und ich hatte das Glück, dass der liebe Gott mir alles, was man für den Job brauchte, in die Wiege gelegt hatte. Ich war der geborene Zirkusdirektor.“

So ganz auf die faule Haut legen will sich der heute 67-Jährige dann aber auch nicht: Gemeinsam mit Weltmeister-Tanztrainer Roberto Albanese hat er das „Dancing Superstars Festival“ konzipiert, welches in diesem Jahr im Juli in den Messehallen und der ÖVB-Arena Premiere feierte. „Man könnte meinen, dass man es nach 40 Jahren Sixdays eigentlich etwas ruhiger angehen lässt. Aber nur zuhause rum sitzen, ist einfach nicht mein Ding.“ Die Ziele, die sich Minder dabei stellt, scheinen bei ihm schon naturgemäß zu sein: Die Veranstaltung soll in den kommenden Jahren das größte Tanzfestival des Nordens werden.

Text: Martin Märtens

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