Lothar Behnke tritt nach mehr als 40 Jahren als Konzertveranstalter ab

Bruce Springsteen, Bon Jovi, die Rolling Stones, Deep Purple, Abba, Peter Maffay, Lionel Richie, Pur, Elton John, Udo Jürgens – mehr als 3000 Auftritte organisierte Lothar Behnke in seinen mehr als 40 Jahren als Konzertveranstalter. Im April schließt der heute 69-Jährige das Kapitel – und geht dabei als Weltmeister.

2432 Stunden am Stück (mit nur drei Stunden Pause am Tag) – so lange legte Lothar Behnke 1972 in Mannheim Platten auf. Ein Weltrekord, der bis heute unerreicht ist und ihn noch immer zum Weltmeister der DJs macht. „Kein Wunder“, so Behnke, „wer ist denn schon so bekloppt, sich so etwas anzutun?“. Musik war schon immer sein Leben. Zunächst in diversen Bands unterwegs, erkannte der Bassist Ende der 60er Jahre, dass er sein Hobby zum Beruf machen wollte und schmiss sein Studium. Fortan reiste er durch die Republik und war als „DJ Ralf“ ein gefragter Mann. Hatte er als Musiker zuvor schon viele Kontakte knüpfen können, traf er zu diesem Zeitpunkt noch mehr Menschen aus der Musikbranche. So hat damals beispielsweise ein gewisser Peter Maffay bei ihm in Heidelberg gewohnt. „Wir haben uns in einer Münchner Diskothek kennen gelernt. Ich fand seine Stimme als sehr angenehm, also sprach ich ihn an. Seitdem sind wir gute Freunde.“

Rock‘n’Roll vom Rücksitz
1970 war man gemeinsam auf dem Weg zu einem Gig in Duisburg. Während Behnke das Auto fuhr saß Maffay auf dem Rücksitz und klimperte auf seiner Gitarre. Behnke hatte erfahren, dass Maffay, bis dato noch völlig unbekannt, es in „Die Großen Acht“ von Radio Luxemburg geschafft haben sollte, was damals den Charts gleichkam. Maffay wollte es nicht so recht glauben. Als er weder die Plätze fünf bis acht belegte, wollte er den Sender wechseln. Behnke weigerte sich. Schließlich ertönte Frank Elstners Stimme aus den Boxen: „Und nun der Neueinsteiger der Woche: Peter Maffay mit ,Du’ auf Platz drei“. Das musste natürlich erst einmal gefeiert werden. „Auf einer Autobahnraststätte haben wir uns dann ein Schnitzel mit Kartoffelsalat sowie einen Piccolo geteilt“, erinnert sich Behnke.

Mitte der 70er Jahre kam dann die Anfrage von Klaus-Peter Schulenberg, ob er nicht seine Kontakte nutzen und mit ins Veranstalter-Geschäft einsteigen wolle. Elf Jahre lang organisierten die beiden fortan Konzerte, unter anderem den damals legendären Auftritt Bruce Springsteens auf seiner „Tunnel-Of-Love“-Tour im Weserstadion (Juli 1988). Anschließend entschied man, sich zu trennen und andere Wege zu gehen. Gut ein Jahr später, im Dezember 1989, veranstaltete Behnke mit seiner neuen Agentur „Programm Concept“ sein erstes großes Konzert alleine: Bon Jovi in der ausverkauften Weser-Ems-Halle in Oldenburg.

Von dem Zeitpunkt an holte er viele große Stars in den Norden – die Stadthalle Bremen war damals mit mehr als 10000 Plätzen der größte Saal der Region. Hamburg und Hannover hatten nur wesentlich kleinere Räumlichkeiten zu bieten. Und er erlebte die merkwürdigsten Geschichten, etwa als einer „seiner“ Stars beschloss, in einem bekannten Hotel zwei Stunden mit einer Flasche Whiskey im Aufzug des Hotels ständig auf- und abzufahren, bis er völlig betrunken im Bett abgelegt wurde. Oder wie eine Band, weil ihr kalt war, die Vorhänge entzündete – auf dem Teppich mitten im Raum. Namen gibt der Veranstalter natürlich nicht preis – dass ist er seinen „Kunden“ schuldig. Er sagt aber: „Was ich alles erlebt habe, damit könnte man ein Buch füllen.“

Reine Nervensache
Überhaupt sei der Beruf des Veranstalters nicht immer nur positiv. Von der Annahme eines Acts über die Hallensuche bis hin zur Betreuung der Künstler gehörte alles zu seinem Portfolio. „Und wenn dann einer der Künstler beschloss, nach dem Konzert den Abend bis fünf Uhr morgens an der Hotelbar ausklingen zu lassen, und dabei auf meine Anwesenheit bestand, so habe ich das natürlich gemacht. Auch wenn ich am nächsten morgen um acht Uhr wieder raus musste.“ 
Sympathisch und fair
Neben viel Arbeit hat ihm das aber auch viele Sympathien eingebracht. Nicht umsonst hat Behnke mehr als 25 Gitarren und einen Bass in seinem Besitz – alle von den jeweiligen Größen gespielt und signiert. Neben dem vierseitigen Bass von Paul Mc Cartney findet sich beispielsweise eine speziell für Maffay gebaute Konzertgitarre. Ein besonderes Stück ist auch die von gleich fünf Gitarristen unterschriebene Huntington: Eric Clapton, Keith Richards, Slash, Jimmy Page sowie Joe Perry unterzeichneten darauf als Dank an Behnke, der, wie er selbst sagt, immer großen Wert auf die faire Behandlung seiner Künstler legte. Warum aber hört er jetzt auf? „Das ist zum einen natürlich biologisch bedingt. Ich bin jetzt knapp 70 und will einfach nicht mehr soviel arbeiten“. Zum anderen sei das Geschäft durch die rückläufigen CD-Verkäufe und die dadurch steigenden Gagenforderungen der Künstler immer schwieriger geworden. „Ich möchte und muss mir das heute zum Glück nicht mehr antun“, sagt Behnke, der aber weiterhin beraterisch tätig sein will. „Wenn ich aber 30 Jahre alt wäre, würde ich alles noch einmal genauso machen.“ Schließlich ist Musik bis heute sein Leben. 

Text: Martin Märtens
Foto: Roland Scheitz

 

 

Info

… zum Bild:

Sold-Out-Award: Lothar Behnke (l.) mit Ina Müller und Peter Rengel von der ÖVB-Arena.