„Bienekönig“ Heinrich Lenz produziert seinen Honig direkt in Bremen

Er ist der Herr über geschätzte 1,5 Millionen Arbeiterinnen. Dennoch ist Heinrich Lenz kein Großindustrieller. Vielmehr ist er ein selbsternannter König, der auch über knapp 30 Völker herrscht. Ebenso viele Königinnen nennt er sein eigen. Alle arbeiten für ihn und summen dabei auch noch friedlich. Es sei denn, man ärgert sie zu sehr, dann nimmt das Summen eine andere Tonlage an. Diese nimmt aber nur der erfahrene Imker wahr.

„Die Tonlage ist ein bisschen höher geworden“, erklärt Lenz, der Bremer Bienenkönig, wie er sich selbst scherzhaft bezeichnet. Knapp 15 Minuten hat er sich an den drei Bienenstöcken bei der Kinderwildnis auf den Stadtwerder zu schaffen gemacht. Mit Schutzkleidung und Handschuhen. Er hat kontrolliert, ob genügend Honig zusammengekommen ist, geguckt, ob jeder Stock mit einer Königin versehen ist und hier und dort mal eine Wabe vertauscht. Nun haben die Bienen anscheinend genug. Der Ton wird rauer. „Es ist aber noch längst nicht so, dass die Bienen kurz davor wären uns zu attackieren“, so der Hobby-Imker mit einem Lächeln. Seine Bienen seien auf Sanftmütigkeit gezüchtet, sonst wäre es auch gar nicht möglich, zwei Völker auf dem Dom zu halten“, erklärt Lenz. Dennoch wird er noch ein gutes Dutzend mal im Jahr gestochen. „Dann bin ich aber selber Schuld, habe noch Sandalen an oder vergessen mir Handschuhe anzuziehen.“

Insgesamt bietet der 64-Jährige Blütenhonig aus sechs Stadtteilen – der Neustadt, Walle, Findorff, Innenstadt, Ostertor sowie Schachhausen – an. „Und aus jedem Stadtteil schmeckt der Honig anders“, so Lenz. Das liege daran, dass in den Stadtteilen unterschiedliche Pflanzen wachsen. „Im Ostertor gibt es Akazien, die man in Walle nicht findet. Woanders stehen vermehrt Obstbäume und an anderer Stelle sind viele Linden zu finden“, so der Imker.

Aber auch jede „Ernte“, wie er es nennt, schmeckt unterschiedlich. Das hängt unter anderem vom Wetter ab. In der Regel seien seine Bienen von Mai bis August aktiv. Im Juni wird die Frühtracht eingebracht. Wenn es aber ein verregnetes Frühjahr gab, fällt die erste Ernte entsprechend mager aus.

500 Kilogramm Honig
Lenz kommt im Jahr auf einen Gesamtertrag von 500 Kilogramm. Das reicht für 1000 Gläser Honig, die er auf dem Waller Markt sowie diversen anderen Märkten für fünf bis sieben Euro anbietet. Für ein Glas dieses Honigs müssen Bienen im Übrigen über zwei Millionen Blüten besuchen.

Mittlerweile hat Lenz 29 Völker, wobei jedes Volk zwischen 40000 und 60000 Bienen zählt. Angefangen hat alles, als seine Frau ihm vor mehr als 30 Jahren zwei Völker geschenkt hatte. Zum Ausgleich für die aufreibende Arbeit als Lehrer. Fortan begeisterten die fleißigen Insekten den ehemaligen Grundschullehrer und er hat im Laufe der Jahre viel über sie gelernt: „Bienen sprechen über den Schwänzeltanz miteinander. So erfahren andere Bienen, wo Nektar und Pollen zu finden sind. Zudem gibt der Tanz Auskunft über Entfernung und Richtung“. Und auch über Duftstoffe sowie durch Laute ist die Verständigung möglich.

Angesprochen auf das „Bienensterben“ und den damit verbundenen Gefahren für die Landwirtschaft, entgegnet er, dass man davon in Deutschland nicht betroffen sei. Das sei vielmehr ein Problem von Ländern wie den USA oder China, die zum einen viel auf Monokulturen setzten sowie bei der Schädlingsbekämpfung vermehrt Chemie benutzen, was schlussendlich auch den Bienen schade. Er behandele hingegen seine Bienen auf natürliche Weise, was auch in den meisten Ländern der Fall sei. „Weltweit betrachtet gibt es derzeit sogar zwischen 40 und 60 Prozent mehr Bienenvölker als vor zehn Jahren.“

Aber macht es eigentlich Sinn, ausgerechnet in der Stadt zu imkern? Lenz: „Wir erzielen in der Stadt mittlerweile sogar einen höheren Ertrag als auf dem Land!“

Als der „König“ sich schließlich von den Bienenstöcken entfernt, verfolgen ihn noch einzelne Bienen, wie um zu gucken, ob er jetzt auch wirklich geht. Beim Erreichen des Autos sind sie dann schon wieder weg. Sie haben schließlich noch viel zu tun.

Text: Martin Märtens

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