Désirée Nick spielt „Im Weißen Rössl“ die Wirtin Josepha

Sie war die erste Dschungelkönigin, hat klassisches Ballett gelernt und ist als Schauspielerin, Chanteuse, Kabarettistin, Autorin und Schmuckdesignerin aktiv: Désirée Nick, die vor allem bekannt für ihre spitze Zunge ist, spielt jetzt erstmals Musiktheater. Noch bis zum 17. Juli steht die 58-Jährige im Theater am Goetheplatz als Wirtin Josepha „Im Weißen Rössl“ auf der Bühne. Im Interview erklärt das Multitalent, warum sie nie eine Rolle ablehnen würde und warum sie ins Dschungelcamp ging.

01/ Wie sind Sie zu der Rolle gekommen?
Ganz einfach: Ich bin gefragt worden.

02/ Sie waren also die Wunschbesetzung?
Richtig. Der Regisseur hat im Staatsschauspiel Köln schon mal ein Stück über mich gemacht. Er hatte sich also schon eingehend mit mir als Person befasst, und als das Stück am Theater Bremen beschlossen wurde, hat er mich sofort für die Rolle vorgeschlagen. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

03/ Mussten Sie überlegen die Rolle anzunehmen?
Nein, das mache ich eigentlich auch nie. Ich kann es mir auch nicht erlauben, sehr wählerisch zu sein. Ich habe schon Rollen gespielt, die ich nicht so toll fand. Aber ich will ja nicht arbeitslos sein. So viele Angebote bekommt man nicht, und zudem muss es natürlich auch immer terminlich passen.

04/ Sie haben noch nie eine Rolle abgelehnt?
Nein! Es ist doch eine Farce, wenn Leute sagen: „Ich habe die Rolle abgelehnt. Mir passt das Drehbuch nicht“. Das ist doch Quatsch, die meisten kriegen doch gar keinen Rollen angeboten. Ich habe so etwas noch nie gesagt. Zudem bin ich davon überzeugt, dass man aus jeder Arbeit etwas lernen kann. Man lernt zum Beispiel auf der Bühne auch bei Umständen zu überleben, die nicht ideal sind. Ich sage immer: Ein Segler ist jemand, der auch bei Sturm die Segel setzen kann.

05/ Es ist das erste Mal, dass Sie Musiktheater machen …
… und ich bin dafür sehr dankbar. Es ist für mich eine völlig neue Sache, bei der ich mit Orchester, Chor und Dirigent in einer Hauptrolle auf der Bühne überzeugen muss. Es ist schon komisch, dass ich erst jetzt Musiktheater mache. Es hätte den Beteiligten ruhig schon 30 Jahre vorher einfallen können mich zu fragen. Aber so ist es nun mal.

06/ Das hört sich fast ein bisschen frustriert an.
Keineswegs, aber ich glaube, ich wäre vor 30 Jahren schon genauso gut wie heute gewesen. Ich wurde im Alter von 50 Jahren am Friedrichstadt-Palast engagiert. Andere werden mit 35 rausgeschmissen, ich werde mit 50 entdeckt. That’s life.

07/ Was fasziniert Sie an dem Stück?
Ich halte das Stück für Volksgut. Praktisch jedes Lied ist ein Hit – selbst Menschen die nicht besonders kulturaffin sind, kennen die Melodien. Welches Stück kann von sich behaupten, dass praktisch jeder die Lieder kennt? Das liegt natürlich auch daran, dass die Melodien in volkstümlichen Sendungen, beispielsweise bei Carmen Nebel oder Florian Silbereisen immer wieder auftauchen. Man kann das Weiße Rössl durchaus als Phänomen bezeichnen.

08/ Sie sind doch auch mit zwei Liedern aus der Produktion bei Florian Silbereisen aufgetreten.
Und er kann nicht verstehen, warum ich nicht schon früher bei ihm in der Sendung war. Auch ein Phänomen.

09/ Bei dem was Sie jetzt machen stellt sich die Frage, warum Sie damals ins Dschungelcamp gegangen sind …
Also erst einmal: Man kann Theater und Dschungelcamp nicht miteinander vergleichen. Das ist wie Currywurst mit einem Fünf-Sterne-Menü zu vergleichen. Theater ist elitär, da kommen pro Vorstellung vielleicht 600 oder 800 Zuschauer. Im Dschungelcamp haben mich zehn Millionen jeden Abend gesehen. Das wunderbare Medium Fernsehen gibt einem die Möglichkeit, die Menschen für sich zu interessieren. Viele haben mich dadurch kennengelernt und kommen jetzt zu meinen Shows und lesen meine Bücher.

10/ Sie sind Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Moderatorin, Kabarettistin, Autorin, Schmuckdesignerin und auch noch Mutter. Wie schaffen Sie das alles?
Es ist kein Spaziergang, aber ich liebe die Dinge, die ich mache. Das macht das Ganze leichter. Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, so vielfältig zu sein. Das ich kompatibel für unterschiedliche Segmente bin, macht mich glücklich und zur kleinsten Randgruppe der Welt.

11/ Was planen Sie für die Zukunft?
Mein Traum ist es, dass ich es zum Ende des Jahres schaffe, meine eigene Jodel-CD auf den Markt zu bringen. Ich habe erst durch die aktuelle Produktion gemerkt, wie gut ich jodeln kann.

Text: Martin Märtens
Foto: Jörg Landsberg

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