Bis zu acht Millionen Deutsche suchen den Partner fürs Leben im Web

Der Frühling ist da, die Triebe der Pflanzen treiben aus, die Tage werden länger und in vielen Menschen erwachen jetzt die Frühlingsgefühle. Wer noch keinen Partner hat, sucht schnell noch einen. Immer mehr machen das via Internet. Doch man sollte dabei auch Vorsicht walten lassen.

Lernte man früher seine (Partner) Lebensgefährte in der Regel im Freundeskreis, auf Partys oder beim Kneipenbesuch kennen, so nutzen mittlerweile immer mehr Menschen – man geht in Deutschland derzeit von bis zu acht Millionen aus – das World Wide Web. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bei Partner- oder Singlebörsen, Dating-Portalen und Seitensprung-Seiten kann man fast jederzeit und ohne großen Aufwand Kontakte knüpfen und flirten – egal ob in der Bahn, zuhause am Küchentisch oder während einer Pause. Zudem bietet die Anonymität des Internets beste Voraussetzungen für ein ungezwungenes Flirten – schließlich kann man selbst entscheiden, wie viel und vor allem was man von sich Preis gibt. In der Regel bietet sich auf den gängigen Plattformen die Auswahl zwischen mehreren Hundert oder gar Tausenden von Kandidaten – viele davon sind sogar kostenlos. Dennoch ist längst nicht alles Gold was glänzt. Nicht immer erhält man das, was einem versprochen wird.

Erfahrungen
Franz S. aus Schwachhausen ist vor ein paar Jahren nach einer gescheiterten Beziehung zum Flirten und Daten via Internet gekommen – und dabei geblieben. „Anfangs hatte ich noch ein bisschen Scham“, so der 48-Jährige. „Irgendwie dachte man, dass nur die auf das Internetangebot zurückgreifen, die sonst keinen Partner finden.“ Diese Scham hat sich inzwischen komplett gelegt: „Ich kann praktisch von überall aus meine Bekanntschaften suchen und lerne so Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte.“ Einige längere Beziehungen haben sich daraus schon ergeben, auch wenn die Richtige bisher noch nicht dabei war. „Ich mache aber weiter. Außerdem gehe ich auch weiterhin raus und treffe Frauen auf herkömmliche Weise.“

Sabine V. hat da andere Erfahrungen gemacht. Aus einem eigentlich unkomplizierten Flirt wurde mehr, als ihr lieb war. „Ich habe einmal aus Versehen meinen richtigen Namen genannt. Ich fand die Person zwar nett, wollte aber nicht mehr und beendete das chatten. Plötzlich stand er eines Tages vor meiner Tür und begehrte Einlass.“ Aber auch die 37-jährige Verkäuferin hat schon positive Erfahrungen gemacht und ist weiterhin bei einer Online-Börse aktiv. „Nur passe ich jetzt besser auf, was ich von mir preisgebe.“

Abo-Fallen
Einige Plattformen bieten ein komplett kostenloses Angebot an. Bei anderen muss man in der Regel einen Monatsbeitrag leisten. Viele werben mit kostenlosen Schnupperangeboten. Bei einigen ist aber allergrößte Vorsicht geboten, will man nicht plötzlich doch in einer Abo-Falle landen und einen monatlichen Beitrag leisten. „Man sollte auf jeden Fall die AGBs ganz genau lesen und eine Kündigung nur per Einschreiben mit Rückschein schicken“, rät die Verbraucherzentrale Bremen.

Love- oder Romance-Scamming
Sogenannte Scammer suchen auf Online-­Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken nach Opfern. Sie wirken sehr seriös und geben sich gerne als Ingenieur, Architekt, Soziologe, Bauleiter, Konstrukteur, Lehrerin, Krankenschwester oder Ärztin aus – meist aus dem englischsprachigen Ausland. Nach anfänglich intensiven Unterhaltungen berichten sie plötzlich davon, sich verliebt zu haben und den oder die Gegenüber unbedingt besuchen zu wollen. In der Regel kommt dann unmittelbar vor dem Termin etwas dazwischen (Verkehrsunfall, Tod von Angehörigen etc.) und es wird um Geld für das Flugticket gebeten. Ist das dann mal überwiesen, ist es zumeist weg. „Wir kennen solche Fälle“, sagt Dirk Siemering, Pressesprecher der Polizei Bremen. „Es handelt sich dabei um internationale Tätergruppen, die ihre Opfer, die darauf hoffen, das große Glück gefunden zu haben, ausnutzen.“

 

Tipps:

  1. Sie sollten sich bewusst sein, was genau Sie wollen. Suchen Sie einen festen Partner, eine Affäre oder wollen sie nur ein bisschen flirten?
  2. Geben Sie zu Beginn so wenig wie möglich von sich Preis. Das gilt für Name, Telefonnummer, Adresse, Arbeitsplatz und Fotos.
  3. Sollte es zum Treffen kommen: zunächst immer einen öffentlichen Platz, ein Café, eine Kneipe, ein Museum oder ähnliches wählen.
  4. Lesen Sie die AGBs ganz genau durch. Es können sich im Kleingedruckten Abo-Fallen verstecken.
  5. Nach Möglichkeit keinem Fremden Geld überweisen!


Text und Foto: Martin Märtens

 

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