Lencke Steiner engagiert sich jetzt auch in der Politik.

Sie ist derzeit die Bremer Vorzeige-Unternehmerin: Lencke Steiner (geborene Wischhusen) ist Geschäftsführerin in einem 50 Mitarbeiter zählenden Familienbetrieb, sie ist Bundesvorsitzende des Wirtschaftsverbandes „Die Jungen Unternehmer“, Präsidiumsmitglied von „Die Familienunternehmer“, Mitglied des Konzernbeirats bei der Deutschen Bahn, der Star der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ und, fast nebenbei, ist sie im November zur Spitzenkandidatin der Bremer FDP gewählt worden. Und das alles mit gerade einmal 29 Jahren.

„Sie fragen sich sicher, wie ich das alles schaffe“, eröffnet Lencke Steiner das Gespräch. Das stimmt. „Ich mache das alles, weil es mir großen Spaß macht“, antwortet die 29-Jährige auf ihre selbst gestellte Frage. „Und deshalb merke ich, glaube ich, auch gar nicht, was ich alles mache.“ So, wie sie das sagt, will man ihr glauben. Immerhin ist die Unternehmerin meistens sieben Tage die Woche im Einsatz, ohne dabei zu wissen, wie viele Stunden sie am Tag dann arbeitet. „Ich stehe jeden Morgen mit einem Lächeln auf und nehme das, was ich tue, gar nicht als Arbeit in dem Sinne wahr.“ Zudem sei sie sehr organisiert – eine der wohl wichtigsten Vorraussetzungen um allen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Lencke Steiner hatte schon sehr früh die Idee, Unternehmerin zu werden. Es ging ihr dabei darum Verantwortung zu übernehmen, zumal sie die Aufgabe der Selbstständigkeit seit jeher fasziniert habe. Ihr Motor dafür sei immer ihr Vater gewesen, der es geschafft hatte, vom Bauernhof kommend, die Firma für Verpackungsmaterialien in Huckelriede aufzubauen. Heute macht das Familienunternehmen insgesamt einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro.
Aufgewachsen ist Steiner in Lilienthal in sehr familiären Verhältnisse. Onkel und Tanten wohnten in derselben Straße. Ihr erstes Geld verdiente sie im Alter von zehn Jahren, als sie bei einem Bauern Eicheln aufgesammelt hatte. Fünf Mark waren der damalige Lohn. Den Schein hat sie heute noch. Er ist ihr Glücksbringer. Bereits im Alter von zwölf Jahren gab sie Kurse im Kinderturnen. Während ihre Mitschüler Taschengeld in Höhe von 100 oder mehr Mark die Woche bekamen, verdiente sie ihr Geld von Anfang an selbst. „Ich habe aber immer das gemacht, was ich wollte“.

Hatten Party und Freizeitvergnügen denn jemals einen Platz beziehungsweise Zeit in ihrem Leben? „Oh ja“, lautet die Antwort. „Im Alter zwischen 16 und 19 Jahren habe ich auch ziemlich gefeiert. Vollgasparty sozusagen.“ Danach stand der Beruf im Vordergrund. Einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau folgten ein Duales Studium der Business Administration sowie eines der Betriebswirtschaftslehre. Anschließend übernahm die damals 24-Jährige den elterlichen Betrieb, ein Verpackungsunternehmen in Huckelriede mit 50 Mitarbeitern.

„Es war aber nie mein ausdrücklicher Wunsch, Karriere zu machen. Ich wollte immer nur den von meinem Vater aufgebauten Betrieb weiterführen.“ Aber sie wollte auch ihre Fußstapfen hinterlassen. Ihre Devise: „Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig!“. Einzige Vorraussetzung: Es muss ihr Freude bereiten, sie etwas bewegen können. „Wenn sie mir eine Aufgabe stellen, zu der ich keine Lust habe, würde ich grandios versagen. Bei mir definiert sich alles über die Freude an dem, was ich tue.“

Ihre Ellenbogen habe sie bei ihrem Werdegang nie einsetzen müssen, „das ist auch gar nicht meine Art“. Während andere sich irgendwelchen Hobbys hingaben, wurde der Unternehmerverband zu ihrer Leidenschaft. „Es gab Wochen, da war ich jeden Abend auf einer Veranstaltung“. Kein Wunder, dass sie ihren Mann, den sie im August vergangenen Jahres geheiratet hat, auf einer solchen Veranstaltung kennengelernt hat. Natürlich ist auch er Unternehmer. In Frankfurt. Weshalb Lencke Steiner jetzt regelmäßig zwischen Frankfurt und Bremen pendelt. Am Main ist auch ihr zweites Unternehmen, Puschy Investment, beheimatet, mit dem sie die Gründerkultur insgesamt attraktiver machen möchte.

Und als der Fernsehsender Vox für seine Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ noch unbedingt eine junge Unternehmerin suchte, lag es fast schon auf der Hand, dass man sich an sie wandte. Zuletzt ist dann sogar die Bremer FDP auf sie zugegangen. Und wie bei allem was sie macht wurde sie mit großer Mehrheit zur Spitzenkandidatin für die in diesem Jahr stattfindende Bürgerschaftswahl gewählt. Obwohl sie parteilos ist. „Es ist jetzt an der Zeit, dass Unternehmer sich bereit erklären, auch in der Politik Verantwortung zu unternehmen und Flagge zu bekennen“. Angst, dass ihr politisches Engagement negative Auswirkungen für sie haben könnte, hat die 29-Jährige nicht. „Gerade weil ich generationsübergreifend denke, bin ich davon überzeugt, etwas bewegen zu können.“

Aber was macht Lencke Steiner wenn sie dann doch einmal Freizeit hat? Am liebsten koche ich ausgiebig mit meinem Mann und wir genießen die gemeinsame Zeit. Zudem hat sie noch ein Pferd, „welches ich in letzter Zeit aber ziemlich selten sehe.“ Für die Zukunft wünscht sich die Familienunternehmerin im Übrigen eine Familie mit Kindern. Momentan fehlt ihr dazu aber noch die Zeit. Denn wenn sie etwas macht, dann macht sie das richtig.

Text: Martin Märtens

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