Hundeprofi Martin Rütter im Interview

 

Bevor er den „Besten freund des Menschen“ in der ÖVB-Arena von A bis Z beleuchtet erklärte Martin Rütter was ihn an Hunden fasziniert, warum er für die Vierbeiner sein Studium geschmissen hat und worauf es im Umgang mit den Tieren besonders ankommt.

 

Von Martin Märtens

 

01/ Wie sind Sie eigentlich auf den Hund gekommen?

Ich hatte schon als Kind eine hohe Affinität zu Hunden. Ich selbst durfte allerdings keinen Hund haben – weil meine Eltern auch heute noch jedes Tier als sinnlos betrachten, das man nicht auf den Grill legen kann. Ich habe aber die Hunde der Nachbarn ausgeführt sowie die von meiner Tante Thea ohnmächtig gekrault. Sie besaß in den 80er Jahren eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Tiere. Und die außergewöhnliche Gabe, Hunde, die anfangs ganz wunderbar waren, binnen weniger Wochen dermaßen verrückt zu machen, dass man das Haus nicht mehr betreten konnte. Mich hat schon damals brennend interessiert, warum so viele Leute um mich herum Probleme mit ihren Hunden hatten.

 

02/ Sie waren an der Sporthochschule Köln eingeschrieben um dann ein Fernstudium in Tierpsychologie zu beginnen. Wie kommt man denn dazu?

Eigentlich ganz einfach: So wie andere Studenten kellnern oder Zeitungen austragen, um ihr Studium zu finanzieren, habe ich parallel Hunde trainiert. Ich habe dann recht schnell gemerkt: Hey, du kannst davon leben und es macht dir riesigen Spaß. Der logische Schritt war also, sich komplett für das Thema Mensch und Hund zu entscheiden. Definitiv die richtige Wahl.

 

03/ Was fasziniert Sie an Hunden?

Diese unglaubliche Abwechslung. Die Hundewelt besteht aus derart unerschöpflicher Vielfalt, dass es nie langweilig wird. Das Spannende ist, dass jeder Hund ein Individuum und somit eine eigenständige Persönlichkeit verkörpert. Es reizt mich, diese Persönlichkeit kennen zu lernen und herauszufinden, was sie ausmacht. Denn letztlich ist eines klar: Nur wenn man sich individuell mit dem jeweiligen Hund befasst, seinen Charakter studiert und sich mit seinen Stärken und Schwächen beschäftigt, kann es zu einer harmonischen Gemeinschaft zwischen Mensch und Hund kommen. Und hinzukommt, dass keine andere Tierart eine derart starke Bindung zum Menschen eingeht wie der Hund.

 

04/ Können Sie Menschen verstehen, die sich vor Hunden fürchten?

Klar. Was ich damit ausdrücken möchte, ist, dass ich absolutes Verständnis dafür habe, wenn Menschen bei einer Situation oder einem Lebewesen, die oder das sie nicht einschätzen können, Unbehagen fühlen.

 

05/ Wie kann man jemandem die Angst vor Hunden nehmen?

Das Allerwichtigste ist, dass ich die Körpersprache und Kommunikation des Hundes lesen lerne. Dann weiß ich schon im Vorfeld, was der Hund vorhat. Ich kann somit sehr gut einschätzen, ob eine Situation bedrohlich ist oder nicht.

 

06/ Immer öfter hört man die Forderung nach einen „Führerschein“ für Hundehalter. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin absolut dafür. Mir geht es aber vor allem um Vorab-Informationen, also um einen Hundeführerschein, der bereits vor der Anschaffung eines Hundes absolviert werden müsste. Denn ganz viele Probleme entstehen, weil sich die Leute vorher keine Gedanken darüber machen, was das Zusammenleben mit einem Hund bedeutet. Die meisten Probleme sind menschengemacht, deshalb muss man den Menschen schon vorher essenzielles Wissen an die Hand geben. Das fängt mit der Züchter- und Welpenauswahl an und endet bei den grundlegenden Kenntnissen der Hundesprache sowie der artgerechten Haltung. Ein Wochenendseminar würde schon reichen, um die ganz groben Anfängerfehler zu vermeiden.

 

07/ Bei vielen Menschen scheint der Hund eine Art „Lücke“ zu füllen, Ersatz für etwas Fehlendes zu sein. Oftmals werden die Tiere sehr vermenschlicht. Ist das noch gesund für Mensch und Tier?

Es darf nicht zu extrem sein. Ein wenig Vermenschlichung werden sie wahrscheinlich in jedem Haushalt mit Hund finden. Und das ist auch in Ordnung. Ich habe auch schon meinen Hunden die Sorgen des Tages erzählt. Aber es darf nicht eskalieren. Ein Hund ist ein Hund und muss dieses auch bleiben dürfen, er kann nicht wie ein Mensch funktionieren. Wird der Hund zu sehr oder permanent vermenschlicht, rücken die eigentlichen Bedürfnisse des Hundes oft in den Hintergrund. Der Mensch stellt meist seine eigenen Wünschen in den Mittelpunkt und schürt damit Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann.

 

08/ Sie haben auch schon in Wolfsaufzuchtstationen gearbeitet. Mittlerweile siedelt sich der „Urhund“ auch wieder in Deutschland, sogar in der Nähe von Bremen an. Die Öffentlichkeit reagiert sehr zwiegespalten auf dieses Ereignis. Wie ist ihre Meinung dazu?

In meiner neuen Staffel „Der Hundeprofi unterwegs“ auf VOX, die Ende November/Anfang Dezember starten wird, werde ich mich mit diesem Thema ausgiebig beschäftigen. Dem möchte ich nicht vorgreifen.

 

09/ Sie begeistern mit Shows tausende Menschen, sind im Fernsehen präsent und veröffentlichen Bücher. Wie sind Sie von der Hundewiese auf die Bühne gekommen?

Dass das ganze Konstrukt mal diese Größenordnung mit bis zu über 10.000 Zuschauern erreichen würde, war natürlich in der Form nicht unbedingt abzusehen oder planbar. Aber ganz ehrlich: Mir war relativ früh klar, dass in diesem Bereich jede Menge Bedarf besteht und großes Potenzial schlummert. Ich halte schon viele Jahre Vorträge. Und es hat mir schon immer großen Spaß gemacht, dies mit einem gewissen Unterhaltungswert zu tun. Ich bin ja niemand, der sein Wissen staubtrocken in Professoren-Manier vermittelt, sondern bei mir darf die Arbeit auch Spaß machen. Ich glaube, das ist ganz wichtig – auch für den Lerneffekt bei den Leuten.

 

10/ Zum Abschluss: Worum geht es in Ihrem aktuellen Programm „nachSITZen“?

Wir werden uns in einem Schul-Szenario wiederfinden. Ich werde den Hund von A bis Z durchgehen, zu jedem Buchstaben gibt es lehrreiche und lustige Geschichten. Ich werde unter anderem die vermeintlich Hochbegabten entlarven, über Ernährung sprechen, das Thema Zweithund aufgreifen, den Klassiker „Ziehen an der Leine“ erklären, die Rivalität zwischen Hund und Katze erläutern und und und.

 

11. Dezember, ÖVB-Arena, 20 Uhr