Philip Zwiener spielt wieder in seiner Heimat Basketball

 

Einst ein Hahn, dann Albatros, später Gladiator und nun schon zum zweiten mal ein Eisbär: Der in der Bremer Neustadt aufgewachsene ehemalige Basketball-Nationalspieler Philip Zwiener ist in seine Norddeutsche Heimat zurückgekehrt.

 

Von Sarah Lütjen

 

Er sei „ein richtiger Bremer“, so behauptet es der 2.01 Meter große Small Forward von sich selbst. Zudem sei er sehr heimatverbunden. Deshalb wundert es nicht, dass Zwiener nach zehn Jahren schlussendlich doch wieder an der Weser gelandet ist. Genauer gesagt an deren Mündung, in Bremerhaven.

 

Zum Basketball gelangte der heute 30-Jährige erst über Umwege. In der Neustadt aufgewachsen hatte er, „wie ein echter Bremer Junge eben“, es zunächst mit Fußball versucht. Erst bei einem Sommerferien-Schnupperkurs während der Schulzeit kam er jedoch das erste Mal beim BTS Neustadt mit dem Basketball in Kontakt. Seitdem konnte er nicht mehr davon lassen.

 

Der Wunsch, Profi-Basketballer zu werden, entstand so erst spät. Dann ging es allerdings steil bergauf. Über die Bremen Roosters folgte der Schritt zum damaligen Serienmeister Alba Berlin. Im Alter von 20 Jahren folgte die erste Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft. Darauf, mal die Stadt zu wechseln, hatte er „schon richtig Bock“. Doch anstatt um die Meisterschaft mitzuspielen, ging es erst einmal ins zweite Team der Berliner, den TuS Lichterfelde, bevor er auch bei den Albatrossen ran durfte. Auf richtig viel Spielzeit kam er beim Hauptstadtclub allerdings nicht, woraufhin er 2010 zum TBB Trier wechselte und dort endlich die erhoffte Anerkennung erhielt. Dennoch zog es ihn nach zwei Jahren bei den Hessen zurück in den Norden und Zwiener unterschrieb zum ersten Mal bei den Eisbären Bremerhaven. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Oldenburg führte ihn sein Weg bereits im Sommer 2015 dann wieder zurück nach „Fischtown“. Doch noch während der Vorbereitung brach sich der Basketballer die Kniescheiben – zehn Wochen Pause. Glück im Unglück, wie ihm die Ärzte versicherten. „Es war einer der besseren Kniescheibenbrüche“, sagt der 30-Jährige mit einem Lächeln. Denn normalerweise kann man nicht knapp vier Monate nach einer solchen Verletzung schon wieder auf dem Platz stehen.

 

Neben dem Basketball beschäftigt sich der Neustädter, der seine Olympiateilnahme in Peking 2008 als einen seiner größten sportlichen Erfolge bezeichnet, auch gerne mit anderen Dingen. Das Saxophon gehört zu seinen großen Leidenschaften. Aufgewachsen in einer musikalischen Familie (die Mutter ist Musiklehrerin) lernte er schon in jungen Jahren das Instrument zu spielen. Bis heute hat es einen festen Platz in seinem Wohnzimmer.

 

Ansonsten ist er durch und durch Sportler – „eigentlich mag ich jede Sportart, in der ein Ball vorkommt“, so Zwiener über sich selbst. Und Skifahren würde er wahnsinnig gerne einmal. Das war ihm gerade im Hinblick auf das hohe Verletzungsrisiko aber schlichtweg zu gefährlich: „Das habe ich in meinem ganzen Leben bisher noch nicht einmal gemacht“. Aufgeschoben ist in diesem Fall aber nicht aufgehoben, denn eines weiß der Zwei-Meter-Mann ganz sicher: „Nach der Karriere werde ich es auf jeden Fall ausprobieren.“

 

Apropos Karriereende. Darauf angesprochen ist Zwiener realistisch: „Natürlich muss man sich um solche Dinge Gedanken machen, damit man mit 36 nicht ohne Plan dasteht.“ Der 30-Jährige überlegt auch schon, wie es nach dem Basketball weiter gehen könnte – allzu viel möchte er darüber allerdings noch nicht Preis geben. Nur um dann noch anzufügen, dass er sich zweifellos vorstellen könnte, weiter im Basketball tätig zu bleiben. Auch der Trainerjob sei dafür bei ihm nicht ausgeschlossen.

 

Aber momentan ist für ihn noch nicht an ein Karriereende zu denken, und er fokussiert sich erst mal voll und ganz auf das Hier und Jetzt. Und das heißt momentan: Abstiegskampf. „Die Situation ist kritisch und wir sind uns dessen auch bewusst“, sagt Zwiener. „Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir uns von Tag zu Tag verbessern. Ich bin da guter Dinge.“

 

Zwiener möchte auf jeden Fall den Bundesligabasketball in Bremerhaven erhalten. Nicht zuletzt, weil er sich mit dem Verein identifiziert und sich absolut als Norddeutscher fühlt. Und weil er es genießt, in seiner Freizeit ohne großen Aufwand die Mutter in seinem alten Elternhaus besuchen oder die Schulfreunde an der Schlachte treffen zu können.

 

Spiele der Eisbären in der Bremer ÖVB-Arena sind für natürlich etwas ganz besonderes. Nach zuletzt eher durchwachsenen Auftritten auf der Bürgerweide brennen die Bremerhavener darauf, den bis zu 10.000 Besuchern am 14. Februar nach Möglichkeit einen Sieg schenken zu können. Für Zwiener schließt sich mit diesem Spiel ein wenig der Kreis. Denn dann trifft der Bremer mit seinem Team aus Bremerhaven auf seinen ehemaligen Verein Alba Berlin. Und das auch noch in seiner Heimatstadt und vor großer Kulisse. „Natürlich ist das für mich ein absolutes Highlight, als Bremer in Bremen aufzulaufen.“