Interview mit den Eurovision-Song-Contest-Experten Eggert Peters und Jens Uwe Krause

Eher zufällig wurden sie zu dem, was sie heute sind: Die Bremer Eurovision-Song-Contest, kurz ESC-Experten. Und als solche reisen Eggert Peters und Jens Uwe Krause selbstverständlich nach Kopenhagen, um vom 6. bis 10. Mai die Halbfinals sowie das Finale live zu erleben und täglich bei Bremen Vier und via Podcast davon zu berichten. Vor ihrer Abreise trafen wir die beiden zu einem Gespräch – auf dem blauen Sofa, von dem aus früher die Shows verfolgt wurden.


01/ Wie sind Sie zu ESC-­Experten geworden?

Jens Uwe Krause: Ich bin ja offiziell gar kein Experte, sondern nur Journalist. Eggert ist derjenige von uns, den ich scherzhaft das „fleischgewordene ESC-Wikipedia“ nenne.

Eggert Peters: Das begann alles mit dem Auftritt von Guildo Horn, der Deutschland am 9. Mai 1998 in der National Indoor Arena in Birmingham vertrat. Ich war damals noch Verlagsleiter beim Stadtmagazin „PRINZ“ und bin als solcher und als Grand-Prix-Kenner in die Radiosendung von Jens-Uwe eingeladen worden. Anscheinend ist die Sendung damals gut angekommen.
02/ So gut, dass Sie es seitdem jedes Jahr machen?

Jens-Uwe Krause: Ja, wobei wir es nicht immer leicht hatten. Vor Lena gab es einige Jahre, in denen wir für das Thema ESC regelrecht kämpfen mussten. ESC war halt uncool.

Eggert Peters: Im Laufe der Jahre bekamen wir dann aber immer mehr Sendezeit. Das freut mich natürlich, denn es ist ja in gewisser Weise auch eine Anerkennung unserer Arbeit.
03/ Mittlerweile fahren Sie sogar zur Endausscheidung ins jeweilige Land. Wie war es im vergangenen 
Jahr in Malmö?

Eggert Peters: Es war ein großes Erlebnis. Alle Menschen, egal ob Künstler, Fans oder ESC-Personal waren sehr entspannt und freundlich. Natürlich ist es auch toll, hinter die Kulissen zu schauen und ganz nah dran zu sein.

Jens-Uwe Krause: Das erinnerte schon an die WM 2006 in Deutschland. Ein riesiges Volksfest. Positiver Ausnahmezustand.

Eggert Peters: Insbesondere im Pressezentrum hat man auch viele Teilnehmer und andere Journalisten getroffen.
04/ Das heißt, Sie konnten auch die Künstler einfach so ansprechen?

Jens-Uwe Krause: Ganz problemlos sogar. Die meisten von ihnen waren ja international noch keine richtigen Stars und nutzten so den ESC natürlich auch gerne, um sich bekannt zu machen. Und Eggert hat ein natürliches Talent mit Wildfremden ins Gespräch zu kommen.

Eggert Peters: Ich finde, wir sind da ein sehr gutes Team. Trotz des großen „Gewusels“ wusste der eine immer, was der andere macht, und es hat sich immer perfekt ergänzt.
05/ Wie sind Sie eigentlich zum Grand Prix gekommen?

Eggert Peters: Das hat schon als Kind angefangen. Mich hat immer die Internationalität des Wettbewerbs fasziniert.

Jens-Uwe Krause: Auch ich liebe den Wettbewerbsgedanken. Aber es ist für mich auch jedes Mal spannend, ganz neue Musik zu entdecken. Man kann sagen, dass ich jedes Jahr durch den ESC mindestens drei neue Acts kennenlerne, die mich nachhaltig musikalisch interessieren.
06/ Welche zum Beispiel?

Jens-Uwe Krause: Letztes Jahr habe ich mich in Despina Olympiou aus Zypern verliebt und auch den ungarischen Beitrag ins Herz geschlossen. In diesem Jahr ganz klar Elaiza, die sich beim deutschen Vorentscheid qualifiziert haben. Die kannte ich vorher nicht und dann haben sie in Köln zunächst mich und dann die ganze Halle umgehauen.

Eggert Peters: Jeder hatte eigentlich damit gerechnet, das Unheilig gewinnen und Deutschland in Kopenhagen vertreten würde. Elaiza haben in Köln aber eindeutig gezeigt, wie sie das Publikum vor Ort und an den Bildschirmen für sich gewinnen können. Das könnte in Kopenhagen auch funktionieren.
07/ Aprospos Chancen. Bei den Buchmachern sind Elaiza nicht so hoch gewettet. Eigentlich schon ein schlechtes Omen, schließlich lagen die Buchmacher in den vergangenen Jahren fast immer richtig.

Eggert Peters: Das stimmt, wenn es danach geht, siegt Armenien. Aber Elaiza haben schon etwas Besonderes. Es kommt beim ESC eben auf verschiedene Aspekte an. Es geht zum einen natürlich um den Song, aber auch der Auftritt und die Ausstrahlung tragen einen großen Teil dazu bei. Und da können Elaiza punkten.

Jens-Uwe Krause: Mit den Buchmachern ist das leider so eine Sache. Wenn sie einen Act oben sehen, bekommt der von der Presse automatisch mehr Zuwendung, ist öfter im Fernsehen zu sehen und im Radio zu hören. Dadurch wird das Ganze ein wenig zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.
08/ Wer sind Ihre Favoriten?

Eggert Peters: Im Moment steht Armenien ganz oben. Ich persönlich favorisiere den Beitrag aus Ungarn, weil ich ihn einfach einen sehr guten Pop-Song finde.

Jens-Uwe Krause: Persönlich gefallen mir die Songs aus Aserbaidschan und den Niederlanden sehr, sehr gut.
09/ Sie bekennen sich offen dazu, ESC-Fans zu sein. Ist das eigentlich einfach in der heutigen Zeit?

Jens-Uwe Krause: Man wird zwar manchmal etwas belächelt, aber damit kann ich gut leben. Ein Geheimnis würde ich daraus niemals machen. Ich kann die Leute ehrlich gesagt nicht verstehen, die den ESC nur unter fadenscheinigen Entschuldigungen gucken. Das ist gute und spannende Samstagabend-Unterhaltung die Spaß macht.

Eggert Peters: Ich bin kein Fan im klassischen Sinn, auch nicht Mitglied eines ESC-Fanclubs. Aber ich mag den ESC sehr gerne und schätze ihn. Und ob mich andere Menschen deshalb mögen oder ablehnen, ist mir ehrlich gesagt nicht wichtig.

 

Text/Foto: Martin Märtens

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