Im Theater Bremen wird die Großproduktion „Hair“ mit Bürgerchor aufgeführt

BREMEN. Mehr als 200 Menschen wirken bei der spartenübergreifenden „Hair“-Großproduktion des Theater Bremen mit. Doch nicht Schauspieler, Tänzer oder Sänger stellen dabei die größte Gruppe, sondern die 140 im Bürgerchor vertretenen Bürger der Stadt.

„Wir hatten weit mehr als 400 Bewerber“, sagt Thomas Ohlendorf, der den Chor leitet. Eigentlich ist er als Musikbibliothekar beim Theater angestellt, kümmert sich um Noten, Texthefte, die Musikinstrumentenverwaltung des Hauses, die Übertexte bei der Oper sowie das Engagement von Gastmusikern. Dann hatte die Dramaturgin Katinka Deecke die Idee, ihn mit der Leitung des Bürgerchores zu beauftragen. Zumal er auch in seiner Freizeit sowie bei Mahagonny (den Mitarbeiter-Chor) ähnlich tätig ist. Ohlendorf musste sich nicht lange bitten lassen, ihm gefiel die Idee, das Stück mit Bremer Bürgern auf die Bühne zu bringen, von Beginn an.

„Problematisch war nur, dass wir mit etwa 50 Leuten geplant hatten, sich dann aber über 400 auf die Ausschreibung meldeten und sich letztendlich ein Stamm von 140 herausbildete“, so der Bibliothekar. Doch Regisseur Robert Lehniger gefiel die Idee einer solch großen Bürgerbeteiligung auf Anhieb. So wird der Chor Teil der Inszenierung, ist auf der Bühne, im Zuschauerraum aber auch im Foyer zu sehen und vor allem zu hören sein – wenn zum Beispiel musikalisch in die Pause geleitet wird.

Fast selbstredend sei es eine Mammutaufgabe gewesen, die beteiligten Schauspieler, Sänger, Tänzer, Philharmoniker, die Elektro-Band Warren Suicide, den Hauschor und den Bürgerchor unter einen Hut zu bekommen. „Natürlich gab es bei diesem Riesenensemble auch immer mal kleinere Reibungspunkte“, so Ohlendorf. „Im Großen und Ganzen hat die Arbeit, glaube ich, aber allen einen Riesenspaß gemacht. Und das wird man auch sehen.“

Auch im musikalischen Bereich hat man sich zum Teil auf unbekannte Pfade begeben: „Wir wagen bei unserer Inszenierung die Synthese sowohl bei den Chören aus Laiensängern und Profis als auch bei der Musik, bei den klassischen Philharmonikern und der Elektro-Band.

Erzählt wird die Geschichte von Claude, der in New York eine Gruppe junger Menschen trifft, die sich gegen das Establishment stellt, freie Liebe pflegt, Marihuana raucht, im „Zeitalters des Wassermanns“ lebt und sich gegen die Einberufung als Soldaten für den Vietnamkrieg auflehnt. Als Claude seinen Einberufungsbefehl erhält, muss er sich entscheiden – ob er seine pazifistischen Ideale missachtet oder den Kriegsdienst verweigert und entsprechend eine Gefängnisstrafe in Kauf nimmt.
Mit Songs wie „Aquarius, „Let The Sunshine In“,„Hair“ oder „I Got Life“ gehört Hair zu einem der erfolgreichsten Musicals weltweit und gilt als Meilenstein der amerikanischen Popliteratur der 60er Jahre.

Als „Hair“ 1968 in New York uraufgeführt wurde, stand das Musical für das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Der Protest gegen den Vietnamkrieg war die Folie, auf der sich der Lebensentwurf einer neuen Bewegung abzeichnen konnte. Heute ist die Welt eine andere, die Hippies sind verschwunden. Widerstand gibt es aber auch heute noch und so hat man, von Seiten des Theaters entschieden, das Stück in die heutige Zeit verlegt. „Der Vietnam-Krieg, Rassismus, sexuelle Befreiung oder zum Beispiel die Gleichstellung der Frauen waren elementare Bestandteile von ,Hair‘. Wir nehmen diese Bestandteile wieder auf und fragen uns, was aus der damaligen Protestbewegung heute eigentlich gelebt wird. Dabei haben wir entdeckt, dass vieles ähnlich geblieben ist und nur einen anderen Namen hat. Heute ist der Afghanistan-Krieg ein Thema oder Aids oder immer noch die Gleichberechtigung von Frauen“, so Ohlsdorf.

Lieder und Namen bleiben derweil unverändert: „Die Charaktere bleiben Berger, Claude und Sheila und wir singen die Songs auch auf englisch. Aber es geht eben nicht mehr um die Hippie-Kultur im herkömmlichen Sinn.“

„Hair“ wird derzeit im Theater am Goetheplatz aufgeführt. Weitere Infos unter www.theaterbremen.de

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