Friedemann Friese ist seit über 20 Jahren weltweit erfolgreich als Spieleautor

Ob Häuser besetzen, Menschen über den Tisch ziehen oder andere verbotene Dinge – im Spiel ist alles erlaubt. Was für viele pure Freizeitgestaltung ist, ist für Friedemann Friese Lebensinhalt. Der Bremer ist freiberuflicher Spieleautor. Seit über 20 Jahren entwickelt der 45-Jährige mit den grünen Haaren Brettspiele, die vor allem im Ausland reißenden Absatz finden.

Von Sheila Schönbeck

 

Grün ja grün sind alle meine Kleider – dieses Kinderlied trifft auch bestens auf Friedemann Friese zu. Der gebürtige Stadthagener hat nicht nur seit 1989 grünes Haar, auch T-Shirts, Jacken und Pullover trägt der 45-Jährige ausschließlich in dieser Farbe. Sie ist zu seinem Markenzeichen geworden, nicht nur bei der Kleiderwahl sondern auch in seinem Job. Unter dem wilden grünen Schopf entstehen seit Jahren ausgefeilte Ideen für kluge Brettspiele. Auch sie sind stets in grün gehalten. „Diese Farbe war einfach gesetzt. Beim Spielen wähle ich immer die Farbe grün. Es ist eine beliebte Spielfarbe“, sagt der passionierte Spielemacher. Außerdem helfe das sehr in Regalen der Geschäfte, wenn man nach seinen Spielen suche. Doch nicht nur die Einheitlichkeit der Farbauswahl ist das Markenzeichen des Bremers. Die Namen seiner Spiele beginnen alle mit dem Buchstaben F. Und sein eigener Verlag heißt schlicht 2F-Spiele.

Die Begeisterung für spielerische Abläufe begann früh. In der Familie wurde viel gespielt. Mit etwa 12 Jahren tüftelte Friedemann Friese bereits an seinen Ideen. Eigene Spielpläne folgten im Alter von 15 Jahren. „Ich war immer daran interessiert, neue Spiele zu entdecken, welche, die über das Normale hinaus gehen. Schach, Mühle und Mensch ärgere dich nicht sprachen mich nicht so an.“ Groß geworden sei er mit Risiko und Monopoli. Doch diese seien mittlerweile durch bessere Spiele abgelöst worden.

Im Jahr 1991, während des Vordiploms in Mathematik, hat Friedemann Friese sehr viele Spiele entwickelt. Mit Ausführungen für Freunde zu Weihnachten fing es an. „Dem Reiz, immer was Neues spielen zu können, geht man am besten nach, wenn man etwas selber entwickelt. Es ist sehr zufriedenstellend, wenn sich die Dinge Stück für Stück zusammentun. Am Ende bekommt man mehr, als man hinein gesteckt hat“, weiß der erfahrene Gamer.
Auf der weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele in Essen, fasste er den Entschluss, seinen eigenen Verlag zu gründen. „Ich dachte mir, ich kann meine Spiele auch selbst herausbringen. Ich habe damals mehr als 5.000 DM investiert und drei Monate durchgearbeitet. Pakete packen und zur Post bringen, das ging als Student noch“, so der Verleger. Mittlerweile hält er das Tagesgeschäft völlig aus seiner schöpferischen Arbeit heraus. „Das nimmt mir Energie und ich kann nicht kreativ sein.“

„Frieses Wucherer“ hieß das Erstlingswerk, das 1992 das Licht der Spielewelt erblickte, inspiriert durch das Kartenspiel „Römer“. Innerhalb von drei Monaten waren die ersten 700 Exemplare vergriffen. Die zweite und dritte Auflage mit je 1.000 Spielen verkaufte sich innerhalb eines Jahres. Ein ziemlicher Erfolg für den Macher, der fortan nur noch Spiele und nicht mehr das Studium im Kopf hatte. Es folgten „Falsche Fuffziger“ 1994 und „Foppen“ 1995. Das erfolgreichste Spiel des Autoren ist unangefochten „Funkenschlag“. Die Neuauflage dieses Wirtschaftsspiels von 2004 hat sich weltweit über 250.000 Mal verkauft mit Lizensausgaben in über 20 Ländern – darunter Portugal, Brasilien, Südkoera, Russland, Finnland und Griechenland. Im Oktober sind zudem „Funkenschlag Erweiterung“ und die Deluxe Jubiläumsauflage erschienen. Rund 80 Prozent der Spiele finden im Ausland reißenden Absatz. Dort kennt man den Spielemacher aus der Hansestadt. Seit zehn Jahren lädt ihn der britische Spieleautor Alan R. Moon persönlich ins kanadische Toronto ein. Dort treffen sich jährlich ausgewählte Spieler und spielen zehn Tage lang, beobachtet von allen wichtigen Verlagen und der Fachpresse.

Als Spieleautor brauche man neben Einfallsreichtum und strukturiertem Denkvermögen auch jede Menge Geduld. Zumindest, wenn man so eine verflochtene Spielidee im Kopf hat, wie Friedemann Friese bei seinem neuesten Brettspiel „504“. Dreieinhalb Jahre hat er intensiv daran gearbeitet. Nun ist „das Monster“, wie es selbst bezeichnet, bei 2F-Spiele
erschienen. Darin geht es um begnadete Wissenschaftler, die sogenannten Ludosophen, die in einer fernen Galaxie in der Lage waren, in einem gigantischen Schacht 504 kleine Welten zu erschaffen. Hinter der Zahl verbirgt sich die Anzahl der Spiele, die sich in nur einer Box befinden. Neun verschiedene Module, von denen immer drei gewählt werden, machen es möglich. „Weil es so groß und komplex ist, habe ich eine Software geschrieben und die einzelnen Spielzüge simuliert. Diese habe ich mehrere hundert Mal durchgespielt, um zu gucken, was passiert. Lange funktionierte es nicht, wie es sollte“, erklärt der ehemalige Mathematikstudent, der bei der Entwicklung auf sein mathematisches Wissen zurückgriff.

Wenn Friedemann Friese an einem Spiel tüftelt, sitzt er an einem großen Tisch in seinem Arbeitszimmer im Fedelhören. Der Computer läuft. Die eine Wand ist – wie soll’s auch anders sein – grün gestrichen, im Regal auf der anderen Seite stapeln sich um die 3.000 Spiele. „Ich baue mir erst ein Spielfeld auf. Am Computer mache ich Dateien fertig, die Entwürfe klebe ich auf. Dann heißt es basteln und probieren mit Materialien aus anderen Spielboxen und Abläufe und simulieren.“ Heute sei es wirklich schwer, etwas Neues zu machen, gesteht der Autor. Ihn interessiere, was die anderen Erfinder sich ausgedacht haben, damit es zu keinen Dopplungen komme. Würfel sind übrigens selten bei Friedemann Friese zu finden. „Sie sind gedächtnislos und haben keine Story. Karten hingegen fordern die Spieler. Mit ihnen ändert sich die Wahrscheinlichkeit für Ereignisse.“

Spielen ist für Friedemann Friese Lebensinhalt. „Hier darf man Sachen machen, die man sonst nicht darf wie Häuser besetzen, morden oder Menschen über den Tisch ziehen“, erklärt er. Es sei sinnvoll zwei bis drei neue Spiele im Jahr zu erfinden. So bleibe das Gehirn aktiver. Sein Lieblingsspiel sei immer das, woran er gerade arbeitet. Es sei aber auch abhängig von den Leuten, mit denen er zusammen spielt. Zweimal die Woche trifft er sich abends mit Freunden, und unregelmäßig nimmt er an Spielewochenenden teil. Auch mit seiner Familie sitzt er regelmäßig zusammen. Wobei er kein leichter Gegner sei und fast immer gewinne. „Ich habe einfach einen anderen Blick auf den Spielverlauf“, sagt er. Sein vierjähriger Sohn teile bereits die Affinität des Vaters und möchte auch immer Neues kennenlernen.

Friedemann Frieses Gehirn arbeitet ständig an neuen komplexen und unterhaltsamen Spielen. Unter seinem wilden grünen Haar reift bereits erneut eine Idee für sein nächstes Spiel heran.

Mehr über den Spieleautor und seine bisherigen Veröffentlichungen auf seiner Homepage www.2f-spiele.de