Designerin Jette Joop schießt am 14. Januar die Sixdays an

 

Sie ist Stil-Ikone und Powerfrau in einem: Jette Joop. Dabei hat die Designerin ständig Wert darauf gelegt, ihren eigenen Weg zu gehen. Im Gespräch mit dem Bremen Magazin erklärt die 47-Jährige, wie sie zu den Sixdays gekommen ist, worauf sie bei ihren Designs Wert legt, wie sie Flüchtlingskindern hilft und das sie trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen keine Angst vor der Zukunft hat.

 

Von Martin Märtens

 

Wie ist der Kontakt zu den Sixdays entstanden?

Jette Joop: Über Herrn Rieger und Herrn Roewer vom Deutschen Roten Kreuz. Das DRK ist seit Jahren Partner der Sixdays und ich bin seit zwölf Jahren Kinderbotschafterin beim DRK. Gemeinsam realisieren wir ständig, neue Projekte zur Unterstützung von Kindern.

 

Mussten Sie lange überlegen, als Sie gefragt wurden, ob Sie das Rennen anschießen würden?

Überhaupt nicht, ich habe sofort zugesagt. Eine spannende und interessante Geschichte wie ich finde und etwas absolut Neues für mich.

 

Haben Sie einen Bezug zu Sechs-Tage-Rennen oder Fahrradfahren im Allgemeinen?

Ehrlich gesagt noch nicht, und ich bin auch, wie ich gestehen muss, keine sonderlich gute Radfahrerin. Aber ich bewundere die sportliche Leistung und den Ehrgeiz der Sixdays-Fahrer und -Fahrerinnen sehr.

 

Sie designen exklusiv ein Frauen-Trikot für die Sixdays, das auch versteigert wird. War das Entwerfen eines Sporttrikots eine besondere Herausforderung für Sie?

Ja, zumal ich als Designerin neben der Funktionalität auch großen Wert auf die modische Komponente des Trikots lege. Meine Herangehensweise war, dass das Trikot auch, so profan das klingen mag, Figur schmeichelnd und schick sein sollte, damit sich die Frauen darin einfach wohl fühlen können.

 

Sie sagten einmal, dass es Ihnen sehr wichtig sei, Mode für Frauen zu machen, in denen Frau sich wohlfühlt …

Ich glaube, dass wenn man sich wohl fühlt und das Gefühl hat, ein gutes und passendes Outfit zu tragen, geht man ganz anders an die Dinge heran. Das gilt für die Dinge im alltäglichen Leben ebenso wie für ein Rad-Rennen …

 

Glauben Sie, dass die Rennradlerinnen mit Ihrem Trikot noch ein bisschen schneller fahren können?

(lacht) Na klar, wenn man sich gut und schick fühlt, in dem was man trägt, kann das noch einmal für einen sportlichen extra Schub sorgen.

 

Sie gelten als Lifestyle-Ikone. Wie wichtig ist Ihnen Lifestyle persönlich?

Lifestyle ist mir schon wichtig, ich bin aber keine Mode-Tussi. Ich lege großen Wert auf Style und Qualität sowie auf angenehme Zurückhaltung. Die Zeiten des übertriebenen Aufstylings sind aus meiner Sicht vorbei. Es gibt derzeit so viele aktuelle Fragen, dass ich glaube, wenn man so wirkt als ob man sich nur mit sich selbst befasse, wäre das nicht mehr passend.

 

Sie wirken bei Ihren Auftritten in der Öffentlichkeit immer auffällig „normal“ …

Äußerlich wirke ich sicher normal. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ein typischer Künstlertyp mit verwirrten und unorganisierten Momenten. Im Job bin ich zielstrebig und fokussiert, privat eher die Künstlerin …

 

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Erfolg?

Erfolg ist essentiell für mich. Ich gestalte mein Leben selbst, habe Mitarbeiter und Kinder für die ich verantwortlich bin.

 

Haben Sie einen Modetipp für die kommende Saison?

Weniger ist mehr. Lässige Sachen sind im Kommen. Alles ein bisschen entspannter als zuvor.

 

Sie entwerfen Schmuck, Schuhe, Taschen, Damen- und Herren-Mode, Besteck und Parfums. Sie leiten ihr eigenes Unternehmen und sind sie Mutter. Zudem engagieren Sie sich bereits seit zwölf Jahren als Kinderbotschafterin beim Deutschen Roten Kreuz. Wie schaffen Sie das alles?

Es war jetzt gerade eine Phase, in der sehr viele Weichen, vor allem beruflich, gestellt werden mussten. Dadurch mussten Urlaube oder auch private Dinge zum Teil hinten anstehen. Ich musste einiges auslassen, um dieses Pensum zu schaffen. Nach Job und Kindern reicht es dann höchstens noch für etwas Sport, bevor es ins Bett geht.

 

Haben Sie das Gefühl, bei dem was Sie alles machen, einen Auftrag zu haben?

Vor etwa zehn Jahren habe ich mir selbst einen Zettel geschrieben, mit den Dingen darauf, die ich gerne machen möchte. Ich hatte einen großen Anspruch an mich selbst, das Thema Selbstständigkeit betreffend. Ich wollte zeigen, dass es auch als Frau mit Kindern durchaus möglich ist, selbstständig zu sein und das auch zu bleiben. Wahrscheinlich trifft es zu, mich sowohl als konservativ als auch als extrem emanzipiert zu bezeichnen. Und Emanzipation hat dann schon ihren Preis.

 

Zurück zu Ihrem Zettel. Wie sieht der heute aus?

(lacht) Das meiste ist abgehakt!

 

Zuletzt haben Sie die Initiative Lichtherz initiiert. Worum geht es dabei genau?

Lichtherz ist ein selbstständiges Projekt, das beim DRK angesiedelt ist. Wir sammeln Spenden für Flüchtlingskinder, um ihnen die notwendige Betreuung und Unterstützung zu bieten.

 

Wie kann den Flüchtlingskindern aus Ihrer Sicht am effektivsten geholfen werden?

Wir brauchen vor allem Fachpersonal, das auf der einen Seite über eine psychologische Ausbildung sowie über Erfahrung im Umgang mit traumatisierten Kindern verfügt und auf der anderen Seite auch deren Sprache spricht. Hinzu kommen besondere Aktivitäten, wie Ausflüge und Unternehmungen, die den Kindern helfen.

 

Wagen Sie einen Ausblick in die Zukunft?

Ich glaube, dass sich aufgrund der Ereignisse von Paris, unsere Gesellschaft im Wandel befindet. Es wird eine Prioritätenverschiebung geben, die bereits sichtbar ist. Trendforscherin Li Edelkoort sagte kürzlich „Fashion ist dead“. Ich glaube, sie meinte damit, dass gewisse Konzepte, auch in der Mode, die damit zu tun haben, dass man sich auf eine negative Art und Weise abgrenzt, indem man beispielsweise sagt: „Ich bin reicher, schöner und fahre ein teureres Auto“ nicht mehr die gleiche Relevanz haben werden. Es wird in Zukunft wichtiger sein, wie und wo ich mich engagiere. Oder sich um die Familie zu kümmern und mit Freunden zu treffen, als gemeinsam shoppen zu gehen.

 

Haben Sie Angst vor der Zukunft?

Nein.