Matthias Reim im Interview

Seit fast 25 Jahren mischt Matthias Reim im Musikgeschäft mit. Zahlreiche Gold- und Platinplatten sprechen für seinen Erfolg. Jetzt ist sein ganz persönliches Best of-Album erschienen. Im Interview spricht der der 57-Jährige darüber, was diese Platte zu einer ultimativen macht, über sein Erfolgsgeheimnis, und warum er keinen Superhit mehr landen möchte.

01/ „Die Leichtigkeit des Seins“ lautet der Titel Ihres letzten Album. Nehmen Sie das Leben jetzt leichter nachdem Sie die Höhen und Tiefen kennengelernt haben?

Nein, ich nehme es nicht leichter. Ich nehme es genauso ernst. Die Leichtigkeit des Seins ist eine Erkenntnis. Wir Menschen entwickeln uns nur deswegen weiter, weil wir auf der Suche nach diesem Moment der Leichtigkeit sind. Wir setzen uns Ziele und wenn wir die erreichen, haben wir kurz dieses Gefühl der Freude, des Stolzes, der Euphorie. Ich hatte diesen Moment letztes Jahr, als ich das erste Mal wieder allein in der Arena aufgetreten bin. Da habe ich mein halbes Leben lang drauf gewartet.

02/Sind Sie damit an einem Punkt angekommen, den Sie erreichen wollten?

Nein! Das hieße ja Stillstand, auch kreativer Stillstand. Ich bin nie angekommen. Für mich ist der Weg das Ziel, ganz bewusst auch in schweren Zeiten. Und der Weg war immer geil, hat immer Spaß gemacht. Für mich ist das Morgen wichtiger als Heute und wesentlich wichtiger als gestern.

03/ Nach dem Album im Mai ist nun ein Best of erschienen. Warum so schnell hintereinander?

Es war an der Zeit. Ich habe bestimmte Songs, die mich begleiten und auf die ich stolz bin. Das sind hammergeile Nummern, wo ich denke, was für ein toller Autor ich doch bin.

04/ Welche sind das?

„Im Himmel geht es weiter“, ganz abgesehen von „Ich hab’ geträumt von dir“ und „Verdammt ich lieb dich“ und Titel wie „L’amour s’en va“ und „Ich liebe dich“. Das sind Songs, die Konzertgeschichte geschrieben haben.

05/ Das neue Album heißt „Das ultimative Best of“. Was macht es zu diesem besten Best of?

Weil ich das selber wollte. Leute, die meine Konzerte besuchen, haben eigentlich alle Songs. Ihnen wollte ich was Besonderes zurückgeben. Daher haben wir was Neues gemacht. Mit den besten Musikern, die man kriegen kann, haben wir die Songs live eingespielt, ganz leise. Das ist eine andere Seite von mir. Wir zeigen, was aus Songs werden kann, wenn man sie leise spielt. Ein erstaunliches Ergebnis für mich.

06/ Seit Sie 1990 „Verdammt ich lieb dich“ auf den Markt gebracht haben, ist dieser Song Ihr Markenzeichen. Nervt Sie das manchmal?

Nein. Es ist immer noch einer der schönsten Momente bei einem Konzert, wenn ich anfange „Ich ziehe durch die Straßen bis nach Mitternacht“ zu singen und dann aufhöre. Egal wie viele Menschen da stehen. In der Sekunde habe ich sie alle. Der Song ist nie wirklich alt geworden. Das hilft mir, Brücken zu schlagen zu den Menschen, die nicht unbedingt Fan meiner Musik sind. Und auch, um generationsübergreifend ein Konzert zu beenden.

07/ Die Single stand 16 Wochen lang auf Platz 1 in den Deutschen Charts. Wie groß ist der Ansporn, das noch einmal zu schaffen?

Den habe ich nicht. Ich möchte keinen zweiten Superhit. Was ich jetzt habe, ist viel größer als „Verdammt ich lieb’ dich“. Ich habe diese Stabilität, dass fast jedes meiner Alben Gold oder Platin erhält. Ich habe ein stabiles und langsam aber stetig wachsendes Konzertpublikum. All das würde ich zerstören mit einem zweiten Superhit.

08/ Mit fast 25 Jahren im Musikgeschäft gehören Sie zu den alten Hasen. Das schaffen nicht viele. Woran liegt’s?

Ich bin voller Dankbarkeit, weil es keineswegs selbstverständlich ist. Ich weiß aber auch, wie viel Arbeit das ist. Das kann niemand sehen. Man ist immer unterwegs. Um zu bleiben, muss man sich immer wieder was einfallen lassen, nur nicht stehenbleiben.

09/ Was möchten Sie als Musiker gerne noch erreichen?

Ich möchte das erhalten, was ich habe. Wenn es mehr wird, auch nicht schlimm. Schlimm fände ich es allerdings, wenn es weniger würde. Der Status quo ist eine Menge Arbeit. Ich suche mir eine Nische und mache meine Musik. Denn was Matthias Reim macht, gibt es nur einmal. Und das ist meine große Stärke.

10/ Was macht Ihre Musik aus?

Meine Songs sind die Songs der Menschen. Ich bin ganz nah an ihrem Leben. Meine Texte erzählen Geschichten, wie sie sich in Tausend anderen Seelen abspielen. Das ist mein Erfolgsgeheimnis.

11/ Was erwartet das Bremer Publikum auf der anstehenden Tour?

Eine emotionale und sehr dynamische Reise. Es wird selbstverständlich die Reim-Party geben mit „Ich hab’ geträumt von dir“ und „Verdammt ich lieb dich“. Ich werde stiller und leiser. Die Leute sollen glücklicher hinaus gehen als sie rein gekommen sind.

Text: Sheila Schönbeck
Fotos: Universal

Info

Matthias Reim spielt am Dienstag, 9. Dezember, ab 20 Uhr im Aladin.