Der Schauspieler Ulrich Matthaeus leitet das Bremer Tourneetheater

Geboren in Bremen-Kattenturm musste Schauspieler Ulrich Matthaeus erst eine lange Reise unternehmen, um letztendlich doch wieder in seiner Heimatstadt zu landen – und dann fast ständig unterwegs zu sein.

Nachdem er seinen Job in einem Bremer Theater verloren hatte, beschloss Ulrich Matthaeus 2007 sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Ich wollte nicht mehr warten, dass Leute auf mich zukommen und hatte gemerkt, dass es mit den Engagements immer schwieriger wurde.“ Also gründete er nach reiflicher Überlegung, damals noch gemeinsam mit einem Kumpel, dass Bremer Tourneetheater. „Wobei wir uns bei der Namensfindung sehr schwer getan haben und letztendlich das Naheliegendste nahmen.

Zum ersten Mal auf der Bühne stand der Theatermann, der mittlerweile auch Regisseur und Intendant in Personalunion ist, in der Grundschule – „Peterchen und der Wolf“ hieß das Stück. Anschließend folgte lange Zeit nichts mehr. „Ich hatte zunächst immer die Idee, etwas mit Fernsehen zu machen, da ich vor allem die Weihnachtsserien sehr mochte“, so Matthaeus.

Schließlich kam alles anders. Nach der 10. Klasse folgte eine Lehre bei der Sparkasse, danach wurde das Abitur nachgeholt, anschließend ein BWL-Studium begonnen und fast zeitgleich die Erkenntnis gewonnen, dass dieses nicht der Sinn seines Lebens sein könne. „Ich merkte, dass ich irgendetwas Kreatives machen musste.“ In einem Bericht über Theaterwissenschaften sah Matthaeus, dass es in New York einen Workshop für Nachwuchsschauspieler gab. Und so machte sich der damals 24-Jährige in einer Nacht und Nebel-Aktion auf den Weg zum Big Apple und lernte so seine Liebe für die Schauspielerei kennen. „Danach war es um mich geschehen“.

Wieder in Deutschland ging es quasi direkt nach München, zur Schauspielschule. Matthaeus stellte sich vor – und wurde angenommen. Einer Lehrerin an der Schule gefiel das junge Talent so gut, dass sie es gleich nach Abschluss der Schule für ein Stück in Singen am Bodensee, bei dem sie Regie führte, verpflichtete. Anschließend landete er über Kassel, Hannover und Bern sowie einige Stationen mit Tourneetheatern wieder in seiner Heimatstadt.
Zurück in Bremen folgten Engagements am Packhaustheater, im Waldau Theater, im Weyher Theater sowie auf dem Theaterschiff, bevor er 2007 gemeinsam mit Hermes Schmid das Bremer Tourneetheater gründete, welches er seit 2011 alleine leitet.

Der Schauspieler hat bis heute nie an einem staatlichen Haus gearbeitet, sich ausschließlich in der freien Szenen bewegt. Bei weitem kein Zuckerschlecken, wie er zurückblickend bemerkt: „Man hangelte sich damals von Engagement zu Engagement. Wenn es dann aber mal für ein oder zwei Monate nichts gab, konnte es schon mal sehr knapp werden.“

Mittlerweile hat das Tourneetheater 50 bis 60 Auftritte pro Jahr, zumeist außerhalb Bremens. Das Repertoire reicht dabei von Dramen über Komödien bis hin zum Krimi-Dinner. Kleine Produktionen mit ein bis zwei Darstellern wechseln sich mit größeren Besetzungen (zum Beispiel acht Schauspieler bei „Top Dogs“), je nach Bedarf, ab. Auf ein Repertoire von bis zu neun Stücken kann dabei zurückgegriffen werden. „Wir spielen alles und eigentlich auch fast überall. Das kann auf Bühnen in Theaterhäusern ebenso wie in Gaststätten oder bei Betriebsfeiern sein. Mittlerweile gibt es einige feste Termine im Kalender, zudem kommen seit 2014 regelmäßige Auftritte im Lagerhaus hinzu, welches sozusagen zu einer Heimatbasis für des Bremer Tourneetheater geworden ist. „Wir sind sehr dankbar, für die Möglichkeit, regelmäßig in Bremen auftreten zu können“. An ein festes Haus denkt Matthaeus dennoch nicht. Dann müsste er sich ja auch wieder einen neuen Namen überlegen.

Text: Martin Märtens

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