Der gebürtige Bremer James Last will im Alter von 85 Jahren im kommenden Jahr auf Europa-Tournee gehen

Er hat Auszeichnungen gesammelt wie andere Leute Briefmarken: Alleine 17 Platin- sowie 207 Goldene Schallplatten bekam er für seine Musik. Daneben wurden ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen, diverse Jazz- und Musikpolls, der Echo für sein Lebenswerk, die Platin Stimmgabel und sehr viele weitere Auszeichnungen verliehen.

James Last ist ein Superstar, und auch wenn er den Großteil seines Lebens in Hamburg und Florida verbracht hat – geboren wurde er in Bremen. Und das merkt man bis heute. Anfang November stand sein Leben auf dem Spiel. In einer dreistündigen Notoperation wurden 20 Zentimeter seines entzündeten Dickdarms entfernt. Doch wer James Last kennt, weiß, dass sich der Mann von so etwas nicht unterkriegen lässt. Und tatsächlich: Schon zwei Wochen später lädt der Musiker zu Interviewterminen. Nicht, um über seine Erkrankung zu sprechen, sondern um die anstehende Tournee im Frühjahr 2015. Und das mit 85 Jahren.

Aus Sebaldsbrück

Geboren und aufgewachsen ist Hans Last, wie er damals noch hieß, in Bremen-Sebaldsbrück. Erste Begegnungen mit der Musik machte er bereits im Kindesalter. „Mein Vater hat mich zur Musik gebracht“, erinnert sich der 85-Jährige und schmunzelt: „Er hat mir gezeigt, dass Musik Spaß macht. War ein witziger Kerl, mein Vater.“

Hans Last erblickte am 17. April 1929 in der Helmholtzstraße 33 das Licht der Welt. Er wuchs als jüngster von drei Brüdern in einer sehr musikalischen Familie auf. Für den jungen Hans stand sehr schnell fest, dass er Musiker werden wollte. Das Problem dabei war nur: 1943 hatten aufgrund des Krieges alle Ausbildungsstätten für Musiker geschlossen. Lediglich die Heeresmusikschule in Frankfurt am Main war noch geöffnet. Dort lernte er zunächst Fagott, bevor als zweites sein späteres Hauptinstrument der Bass hinzu kam. Nachdem die Heeresmusikschule einem Luftangriff zum Opfer fiel, wurde der damals 15-Jährige nach Bückeburg versetzt.

Als in den letzten Wochen des Krieges alle Schüler, die bis zum 1. April 16 Jahre geworden waren, eingezogen wurden, blieb Hans Last der Dienst an der Front erspart. „Man kann sagen, dass die 16 Tage mein Leben gerettet haben. Schon damals hat oben einer auf mich aufgepasst.“
Zurück in Bremen ging erdurch eine zerbombte Stadt. Wie durch Zufall war sein Elternhaus unversehrt geblieben. Schnell war klar, dass er wieder Musik machen wollte. Da kam es ihm nur recht, dass ihn eines Tages ein amerikanischer Soldat fragte: „Do you play music?“. Nachdem Last mit „Ja“ geantwortet hatte, wurde er für die Tanzclubs der Soldaten verpflichtet. So lernte der damals 16-Jährige auch den Jazz kennen und lieben.

Bassist beim Tanzorchester

Schließlich landete er als Bassist beim Tanzorchester von Radio Bremen in dessen Gründungszeit. „Damals haben wir immer live gespielt. Einmal waren wir in einer Villa in Schwachhausen. Radio-Bremen-Gründer Hans Günther Oesterreich sagte damals zu den Hörern an den Rundfunkgeräten: ,Meine Damen und Herren, wenn sie es rauschen hören, es ist keine Platte sondern der Regen von draußen’“, erinnert sich Last heute.

Zu der Zeit sei er jeden Tag mit dem Bass über dem Lenker von Sebaldsbrück zum Sender gefahren. Doch trotz seinen festen Engagements blieb er auch dem Jazz treu und gewann dreimal in Folge den Deutschen Jazzpreis (1950 – 1952) als bester Jazzbassist.

Noch in Bremen gründete er das Hans Last Orchester, bevor er vom NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) abgeworben wurde und nach Hamburg ging. Dort konnte er schlicht ein Vielfaches dessen verdienen, was Radio Bremen zu der Zeit als kleiner Sender zahlen konnte. Sein Erfolg stieg von dem Zeitpunkt an stetig, 1973 erhielt Last seine 100. Goldene Schallplatte.

So etwas hatte vor ihm noch keiner erreicht. Elvis (76) und die Beatles (58) belegten hinter dem Bremer die Plätze 2 und 3. Last hatte den „Happy Sound“ erfunden und wurde aufgrund seiner leichten Arrangements bekannter und eignere Stücke für Orchester zum Weltstar. Im Zuge dessen entschied er sich 1965 dazu, seinen Namen von Hans in James Last zu ändern – um so auch dem internationalen Markt zu erobern.

Swingende Körperhaltung

Zu einem seiner typischsten Merkmale wurde seine swingende Körperhaltung, wenn er mit Orchester auftrat. „Wenn ich auf der Bühne stehe, ist es nur noch Vergnügen, dann habe ich eigentlich nichts mehr zu tun.“ Die ganze Arbeit passiert vorher, wenn Last für jeden seiner Musiker die Noten schreibt und sie ihm zuschickt. „Die können dann in Ruhe üben. Wir treffen uns immer drei bis vier Tage, bevor die Tournee beginnt, um zusammen zu proben.“

James Last ist mittlerweile 85 Jahre alt, denkt aber nicht im Traum daran, mit der Musik und den Tourneen aufzuhören. Auch nicht, wenn es kurz zuvor, wie zuletzt, kritisch um seine Gesundheit bestellt war. „Mir geht es jetzt nach der OP sogar besser als vorher. Ich höre erst auf, wenn mich der da oben zu sich ruft.“ Und so geht der dann 85-Jährige 2015 wohl auch tatsächlich auf seine „Non Stop Music“-Tournee, bei der er in 23 Städten – unter anderem in London, Wien, Straßburg sowie auch in Bremen auftritt. Dann wird er sich wahrscheinlich seine geliebte Bratwurst am Marktplatz nicht entgehen lassen („Ein Muss, wenn ich in der Stadt bin“).

Aber: als was versteht sich der gebürtige Bremer, der mittlerweile zwischen Hamburg und Florida pendelt, selbst? „Ich bin ein Hamburger, der in Bremen geboren ist und gerne in Florida lebt“, versucht er sich äußerst
diplomatisch zu geben. Fragt man aber weiter, zum Beispiel für welchen Fußballclub sein Herz schlägt, kommt die Antwort ebenso schnell wie eindeutig: „Natürlich Werder. Einmal Grün-Weiß, immer Grün-Weiß.“

Text: Martin Märtens

Info

James Last kommt auf seiner „Non Stop Music“-Tour am 14. April ab 19.30 in die Halle 7.