Bremer Engel Teil 1: Die Klinikclowns

Wenn sie kommen, ist lachen garantiert: Die Bremer Klinikclowns bescheren kranken Kindern und älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen fröhliche Momente. Mit Witz, Klamauk und kleinen Tricks sorgen die sieben Spaßnasen des gleichnamigen Vereins für unbeschwerte, fröhliche Momente in schweren Stunden, und leisten damit einen Beitrag zur Genesung ihres Publikums.

Von Sheila Schönbeck

Lachen ist gesund – das ist allgemein bekannt. Doch lachen kann auch die Genesung fördern. Aus diesem Grund besuchen die Bremer Klinikclowns regelmäßig Krankenhäuser, Seniorenheime und therapeutische Einrichtungen in Bremen und umzu, in denen lachen nicht gerade auf der Tagesordnung steht. Das ändern Wilma, Kurt, Hans, Maggie, Pepe, Violine und Lili im Nu, wenn sie den Raum betreten – sofern man ihnen Eintritt gewährt. Denn die Klinikclowns, die immer im Zweiergespann auftreten, platzen nicht ungewollt ins Zimmer. Jeder Besuch beginnt mit der Frage: „Dürfen wir hereinkommen?“.

Größtenteils ist das der Fall. „Vor allem Kinder zwischen drei und elf Jahren sind uns gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt Julia Wiegmann, Mitgründerin des Vereins und bekannt als Clown Wilma. Oder es entwickelt sich spontan im Türrahmen ein kleines Spiel, wenn die kleinen Patienten etwas zögern. „Die Kinder bestimmen, wo es lang geht. Das erfordert unsererseits viel Flexibilität“, weiß Christian Braun, der seit zehn Jahren als Clown Kurt dabei ist.

Doch bevor die Klinikclowns zu den Kindern gehen, trifft sich das Darsteller-Duo zum Aufwärmen. Vom Pflegepersonal bekommen sie wichtige Informationen über die jungen Patienten beziehungsweise über die Senioren. Erst dann kann der Spaß beginnen. Julia Wiegmann und Christian Braun treten oft gemeinsam als das gegensätzliche Paar Wilma und Kurt auf. Während Wilma eine ganz Schlaue ist, tritt Kurt eher tollpatschig auf und vermasselt vieles. „Wir begeben uns unvorbereitet in die Situation. Wir wissen nicht, was passieren wird. Dafür braucht man eine gewisse Durchlässigkeit aber auch eine gefestigte Clownsfigur“, so Julia Wiegmann, die im ersten Beruf Krankenschwester ist.

Im Zentrum ihres einfühlsamen Auftritts steht die Begegnung mit den kleinen Patienten und den Senioren. „Wenn wir im Zimmer sind, zählt nur das Hier und Jetzt. Das ist mit Kindern und älteren Menschen sehr gut machbar. Wichtig ist nur, was in diesem Moment emotional stattfindet. Weder die Vergangenheit noch die Zukunft sind dann entscheidend“, erklärt Julia Wiegmann.

Der gemeinnützige Verein Bremer Klinikclowns wurde 2001 gegründet. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Einsatz von qualifizierten Clowns in Krankenhäusern und in anderen therapeutischen Einrichtungen zu ermöglichen und zu fördern. Gemeinsame Proben, kontinuierliche Fortbildungen und professionelle Coachings helfen den Klinikclowns, ihre Arbeit zu verbessern und nicht in Routine zu verfallen. „Unsere Arbeit ist immer im Prozess“, betont Wiegmann. Alle Darsteller verfolgen den Anspruch, angemessen an die Situation und ihre Zuschauer, neue clowneske Spiele zu finden, die ihnen gerecht werden.

Und die Klinikclowns sind keineswegs immer nur lustig und albern. Bei ernsten Fragen ihres Gegenübers werden Wilma, Kurt & Co. aufrichtig. „Die Clowns sind verlässlich. Die Antworten können durchaus auch traurig sein. Entscheidend ist, niemand soll sich veralbert fühlen“, betont Julia Wiegmann.

An Weihnachten sind die Klinikclowns, die hauptberuflich aktiv sind, in den sechs Häusern nicht zu Gast. In den Einrichtungen werde dann schon viel gemacht, so Christian Braun. Dafür werden ihre Auftritte in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern
im Vorfeld weihnachtlich. Am 1. Dezember findet in der Prof.-Hess-Klinik eine Weihnachtsaktion statt. Zusammen mit den Schirmherren des Vereins, den Gebrüder Jehn, bringen sie Musik, Weihnachtsglitzer und Spaß auf die Stationen. In den Altenheimen hingegen verteilen die Clowns kleine Geschenke und tragen Gedichte vor.

Seit einem Jahr haben die Klinikclowns sich auch den Flüchtlingen angenommen. Bei diesen Auftritten ohne Sprache sind alle sieben Clowns dabei. Am 10. Dezember besuchen sie das AWO Übergangswohnheim auf dem Klinikgelände in Mitte. „Wir werden sehr herzlich empfangen. Gerade jugendliche Flüchtlinge blühen auf. Sie haben Vertrauen zu den Clowns. Humor ist einfach kulturkreisübergreifend“, so Julia Wiegmann.

Nicht nur ihrem Publikum geben Julia Wiegmann und ihre Kollegen sehr viel. Auch sie gewinnen durch ihre Arbeit. „Danach geht es mir immer besser. Die Auftritte sind wie Urlaub vom Alltagsstress“, sagt sie. Die Kinder schenkten ihnen viel Vertrauen. „Diese Arbeit bereichert mein Leben. Meine Wahrnehmungsweise für Details ändert sich.” Für Christian Braun ist dieser Beruf sehr kraftspendend. „In der Begegnung gibt es eine große Kraft. Das ist sehr besonders. Außerdem macht es Spaß, Freude zu bringen“, so Braun.

Das Interesse an den Klinikclowns ist groß, sagen die beiden. Doch fehle den Einrichtungen oft das Geld. Die Bremer Klinikclowns sind daher für ihre weitere Arbeit auf Spenden angewiesen. Wer den Verein unterstützen möchte, findet das Spendenkonto und weitere Möglichkeiten auf der Internetseite www.bremerklinikclowns.de