Bürgerparkverein und Bürgerpark feiern im November und Juni 150. Jubiläum

 

Er ist die grüne Lunge Bremens – der Bürgerpark. Doch das größte Naherholungsgebiet der Stadt ist weit mehr als das, es ist ebenso Sportstätte, Bühne für Schauspiel und Musik, gastronomische Flaniermeile, Anlaufstelle für gemütliche Bootsfahrten, Spielplatz und Wohnort vieler Tiere. Im November vor 150 Jahren begann die Geschichte des Bürgerparks, der – wie der Name schon sagt – durch das Engagement Bremer Bürger entstanden ist.

Von Sheila Schönbeck

Einen Park wie den Bürgerpark gibt es kein zweites Mal in Deutschland. Diese Anlage ist nicht nur für die Bürger und kostenlos, sondern vor allem auch von den Bürgern. Von Anfang wird er getragen von der Beteiligung und Begeisterung der Bremer. „Der Bürgerpark ist privat. Das ist das Besondere, das viele Bremer gar nicht wissen. Wir finanzieren uns fast ausschließlich allein durch Spenden und Erbschaften. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht“, sagt Parkdirektor Tim Großmann stolz. Der Grundstein für diesen Park wurde am 16. November 1865 gelegt, als eine Bürger-
initiative den privaten „Verein zur Bewaldung der Bürgerweide“ gründete, der sich wenige Jahre später in Bürgerparkverein umbenannte.
Wo heute meterhohe Eichen, Kastanien, Buchen und andere Riesen, aber auch weite Wiesen, die Fläche erst zu einer Grünanlage machen, grasten vor 1865 auf dem flachen kargen Land noch Kühe. Schon damals war dies die Bürgerweide, denn viele Jahrhunderte zuvor, im Jahr 1159, wurde sie den Bremern überschrieben. In dem sogenannten Weidebrief – das Original liegt im Staatsarchiv – bescheinigte Erzbischof Hartwig I. den Bremern den Besitz dieser Fläche und belegte damit den eigentlichen Beginn der Nutzung. Der Weidebrief beurkundet „das Weiderecht für alle Einwohner Bremens, Durchreisende, Geistliche und Laien, Arme und Reiche“.
Als der Verein genügend Gelder in Form von Spenden der Bremer Bürger gesammelt hatte, konnte Landschaftsarchitekt Wilhelm Benque am 28. Juni 1866 – inspiriert als Zeuge der Entstehung des Central Parks in New York – mit 170 Helfern die Arbeiten auf dem Gelände zwischen der heutigen Hollerallee und der Ringstraße aufnehmen. Diese dauerten bis 1872. „Benque hatte damals genau das Bild des Parks vor Augen, das wir heute sehen. Hier war nichts. Es ist alles künstlich angelegt, wirkt aber natürlich. Der Wechsel zwischen Wald und freien Flächen lässt den Park größer erscheinen“, so der Parkdirektor, der die besondere Qualität der Anlage lobe. Grundsätzlich habe sich nichts geändert. Man halte sich an das Konzept von Wilhelm Benque. Die langfristige Erhaltung des Parks wurde 1984 mit der Unterschutzstellung als Gartendenkmal belohnt. Der Park sei aber gereift und gewachsen, das Meiste noch Erstpflanzung, so Großmann. Doch der Eindruck des Parks wird sich schon bald ändern. Der Baumbestand muss erneuert werden, da viele Bäume alt und krank sind. „Zusätzlich machen uns der Klimawandel und Schädlinge Probleme. Sehr zu schaffen macht uns derzeit eine Erkrankung der Kastanie. Daher werden wir vorerst keine neuen pflanzen“, erklärt Tim Großmann.
Zwischen all den Bäumen, darin und im Unterholz sowie im Tiergehege leben zahlreiche Tierarten. Zur Unterhaltung der Besucher wurden im 19. Jahrhundert in Parks Tiergehege angelegt. 1870 beschloss der Bürgerparkverein, Hirsche zu halten. Ein wohlhabender Kaufmann schenkte dem Park eine Rentierfamilie. Viele weitere Tiere wie amerikanische Rehe, nordamerikanische Gabelantilopen und Zebras waren ebenfalls Geschenke Bremer Kaufleute.
Aber auch in der Meierei ging es tierisch zu. Affen hausten in einem Käfig auf der Veranda. 1897 zogen sogar zwei junge Kängurus aus Sydney auf das Gelände. Papageien, Kakadus und Orangenbäckchen waren ebenfalls bei dem Ausflugslokal zu bestaunen.
In den 1950er Jahren war das Dromedar Bobby besonders beliebt. Es lebte zusammen mit Shetlandponys, Eseln, Schafen, Wildschweinen, Pfauen, Hühnern, Gänsen, Enten und Meerschweinchen in dem heutigen Tiergehege, das auf einer künstlichen Erhebung angelegt wurde.
Daneben gibt es viele freilebende Tiere im Bürgerpark und dem angrenzenden Stadtwald. Seien es die Rehe, Kaninchen, Hasen, Enten oder Mader und Füchse – ihren Bestand hat Richard Onesseit stets im Blick. Der Jäger patrouilliert wöchentlich auf dem 200 Hektar großem Areal und achtet darauf, dass die Bestände erhalten bleiben. Nach seinen Beobachtungen leben derzeit rund 15 Rehe im Park. „Es waren mal mehr. Aber es scheint, dass sich der Bestand erholt“, so der Jäger, der bei seiner Arbeit auf viele interessierte Besucher trifft.
Sehr am Herzen liegt dem Bürgerparkverein die Umweltbildung des Nachwuchses. Parkpädagogin Ulrike Graf lässt regelmäßig Schulklassen den Park mit allen Sinnen erleben. Über 2.000 Kinder lernen mit ihrer Hilfe so den Park und seine Bewohner richtig kennen.
Die Bremer lieben ihren Bürgerpark. Das ist nicht nur an ihrer Spendenbereitschaft erkennbar. Für Erholung und Freizeitgestaltung ist das autofreie Areal mit seinen elf Brücken bestens geeignet. Allein 31,5 Kilometer Fußweg laden zum gemütlichen Schlendern oder Joggen ein. Die 14 Kilometer Radweg, 8 Kilometer Reitweg und die 1,7 Kilometer lange Waldlaufbahn bieten weitere Wege für sportliche Betätigung. Sechs Spielplätze, eine Boule-Bahn, ein Minigolfplatz, Maltreffs, der Natur- und Erlebnispfad, der Ruderbootverleih sowie die Gastronomien sorgen für jede Menge Abwechslung und Unterhaltung in Bremens grüner Lunge. Seit zwei Jahren erweitert das Fahrgastschiff Marie die Landschaft. Die Fahrt in dem Nachbau nach den Originalplänen von 1913 erfreut sich großer Beliebtheit. Parkdirektor Großmann ist zufrieden. Ein weiteres großes Projekt sei aber vorerst nicht geplant.
Stattdessen laufen die Vorbereitungen für das 150. Jubiläum des Bürgerparksvereins in diesem Monat sowie das des Bürgerparks im Juni kommenden Jahres auf Hochtouren. Auftakt der Feierlichkeiten ist am Freitag, 13. November, ab 20 Uhr in der Glocke. Die BigBand der Bundeswehr spielt zugunsten des Bürgerparks ein Jubiläumskonzert. Am Sonntag, 16. November – genau 150 Jahre nach Gründung des Bürgerparkvereins – sind Freunde und Unterstützer der Anlage zu einem Empfang im Rathaus eingeladen. Im Juni 2016 wird dann im Park selbst das 150. Jubiläum des Gartenkunstwerks mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. Was genau stattfinden wird, daran wird momentan noch fleißig gearbeitet. Gleichzeitig erscheint zum runden Geburtstag ein Buch über den Bürgerpark.