Die jazzahead! hat sich zum wichtigsten Event ihrer Art entwickelt

BREMEN. Einst als reine Fachmesse für ein ebensolches Publikum gestartet, hat sich die jazzahead! in den vergangenen Jahren zu einem Kulturfestival entwickelt, das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus strahlt – und dessen Bedeutung für Bremen immer wichtiger zu werden scheint.

„Wir wachsen stetig“, sagt Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Messe Bremen. Das gilt zum einen für den reinen Messebereich, zum anderen für das Kulturfestival, das rund um die Messe entstand. Vor neun Jahren noch recht beschaulich und klein mit 91 Ausstellern und insgesamt 4.500 Besuchern gestartet, werden in diesem Jahr 650 Aussteller, 2.700 Fachbesucher sowie 13.000 oder mehr Konzertbesucher erwartet. Damit gilt die jazzahead! als wichtigste Fachmesse in Sachen Jazz – weltweit.

Sondersendung auf BBC
„Damals war es unser Interesse, die Besucher in den Messehallen zu halten“, erinnert sich Schneider an die Anfänge 2006. Mittlerweile freut man sich über Jazzbegeisterte in der ganzen Stadt und sieht sich selbst als eine Art Botschafter Bremens. „Wir sind unter Jazzliebhabern in der ganzen Welt bekannt. Die BBC brachte vor kurzem sogar eine zweistündige Sondersendung über uns“, so Schneider. In diesem Jahr beteiligen sich rund 40 Kooperationspartner an der Ausrichtung des jazzahead! Kulturfestivals, das aus drei Elementen besteht: Dem Showcase-Festival während der Jazzfachmesse (24. bis 26. April), der jazzahead! ŠKODA clubnight am Samstag, 26. April in 27 Spielstätten in Bremen und dem mehrwöchigen Programm um das Partnerland mit vielen Kulturinstitutionen Bremens.

Kein Nischenprojekt
„Alle ziehen an einem Strang, um etwas Großes auf die Beine zu stellen“, freut sich Projektleiterin Sybille Kornitschky. Damit gelinge der jazzahead! etwas Einmaliges: die Entwicklung eines Kulturfestivals aus einer Messe, aus dem Jazz heraus. Wird Jazz sonst eher als Nischenprojekt gesehen, so ist er in Bremen Motor für ein Kulturfestival, das andere Genres einbindet. „Bremen und die jazzahead! sind nicht nur Jazz-Mekka, sondern auch Ort und Impulsgeber für ein interdisziplinäres Festival“, sagt Schneider und sieht „die Entwicklung noch nicht abgeschlossen“.

Nach der Türkei, Israel und Spanien ist in diesem Jahr Dänemark Partnerland der Fachmesse und des Kulturfestivals. Dabei soll dem Publikum bei mehr als 100 Konzerten sowie Ausstellungen, Theater, Lesungen, Kinoabenden und vielem mehr ein tiefer Einblick in die Musik und Kunst des nordischen Partnerlands geboten werden. Die Eröffnungsgala bestritt dabei „The Danish String Quartet“, am 13. März in der Kulturkirche St. Stephani, die als eine der spannendsten Quartette Dänemarks gelten und traditionelle dänische Musik zum Besten geben werden. Mit „The Artificial Nature Project“ am 24. Mai im BLG-Forum kommt das Programm zum Abschluss. Mette Ingvartsen, Choreografin aus Dänemark, stellt darin Fragen nach dem Umgang des Menschen mit der Natur, nach Verfall und Veränderung.

Zwischen diesen beiden Events, die den Rahmen des Festivals bilden, ist das Programm gefüllt mit Highlights: wie zum Beispiel das Galakonzert mit Gitte Hænning und dem Aarhus Jazz Orchestra im Konzerthaus Die wvGlocke am 25. April oder das Konzert der WDR Big Band mit den dänischen Starsolisten Palle Mikkelborg (Trompete) und Carsten Dahl (Piano) am 27. April im BLG-Forum.

Die Shakespeare Company präsentiert einen Prinzen und wartet gleich mit drei verschiedenen Abenden um „Hamlet“ auf und das Theater Bremen beteiligt sich mit einem „Perfekten (dänischen) Abend“ aus Film, Performance und Delikatessen. Eine Hommage an die dänischen Pioniere der elektronischen Musik zeigt die Schwankhalle vom 28. März bis 5. April in der „Snyk Show“, bei der die Soundkünstler Hans Sydow, Jacob Kirkegaard und SØS Gunver Ryberg Installationen, Filme und vor allem experimentelle Musik präsentieren.

Text: Martin Märtens