Mode-Blogs zeigen neueste Trends – Bremerinnen mischen aktiv mit

Sie teilen alle ihre Leidenschaft für Mode, ein Gespür für Trends und setzen sich gerne ins rechte Licht – Modeblogger sind immer am Puls der Zeit in Sachen Fashion. In Deutschland gibt es derzeit etwa 500 solcher Netzautoren. Auch in Bremen ist eine handvoll junger Frauen aktiv in der Welt von Looks, Beauty und Lifestyle unterwegs. Zahlreiche, zumeist weibliche Anhänger, folgen ihnen.

Die Szenerie war skurill: Als sich beim Kidsday des diesjährigen Sechs-Tagerennens die Türen der ÖVB-Arena öffneten, geraten geschätzte 10.000 Bibi-Fans in Ekstase und begannen zu schreien. Bibi alias Bianca Heinicke ist mit ihrem Youtube Kanal „Bibis Beauty Palace“ eine der erfolgreichsten Youtuberin in Deutschland. Die Themen ihrer Filme: Mode, Beauty und Lifestyle. Spätestens tausende kreischende zumeist weibliche Jugendliche in Bremen, über 3.000 Autogramme und zehn verbrauchte Stifte zeigen, welchen Stellenwert dieses Metier vor allem bei Jugendlichen heutzutage hat.

Über Mode schreiben und Fotos im Internet veröffentlichen liegt im Trend. Jahr für Jahr schießen immer mehr Modeblogs wie Pilze aus der Erde. Weltweit posten vorwiegend junge Frauen das sogenannte „It-Piece“ oder das „Outfit of the Day“. Ihre Fans folgen ihnen auf Instagram, Lookbook, bei Facebook, Twitter oder You Tube. Auch in Bremen gibt es junge Frauen, die in der digitalen Welt die analoge regelmäßig mit frechen, trendigen Outfits versorgen. Erst seit drei Monaten in der Blogosphäre der Nachwuchs-Fashionistas ist Cherifa Sahini mit ihrem Fashion and Lifestyle Blog „Curls All Over“. Die Szene verfolgt sie schon lange als Leserin. Die 23-Jährige hat – und diese Eigenschaft haben alle in der Szene inne – einfach Spaß an Mode. Und auch Zeit, denn für ihr Hobby investiert die Studentin in der Woche über 20 Stunden. Die meiste Zeit nimmt die Suche nach dem Outfit in Anspruch. „Ich möchte immer etwas Besonderes finden, was man nicht jeden Tag trägt“, erklärt sie. Das sind mal eine Fliege, mal silberfarbene Lackschuhe, Kleidungsstücke, mit denen sie schon beim Fotoshooting in der Hansestadt für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Auch für die Bürger dieser Stadt würde sich die Studentin mehr Mut zur Farbe wünschen: „Die Bremer sind leider nicht sehr mutig bei der Kleiderzusammenstellung.“

Nach den ersten Monaten hat Cherifa schon über 1.000 Abonnenten bei Instagram und über 600 Follower bei Facebook. Die ersten Anfragen der Industrie gab es bereits: ein T-Shirt Label hat ihre die Zusammenarbeit angeboten, und ein kalifornischer Designer ist an einem Feature interessiert. „Wenn ich irgendwann mit meinem Blog Geld verdiene, wäre das toll. Momentan macht es mir einfach Spaß und ist ein Hobby. Ich mache das weniger, um Klamotten gesponsort zu bekommen“, so die Bloggerin, die Bekleidungstechnik und Management in Hamburg studiert.

Nur die wenigsten Modeblogger schaffen es, von ihren Einträgen leben zu können. Andere hingegen schießen regelrecht durch die Decke. Die erfolgreichste unter ihnen ist die 27-jährige Chiara Ferragni. Die Italienerin gründete 2009 „The Blonde Salad” und wurde damit zu der kommerziellen Vorzeigebloggerin. Im vergangenen Jahr soll sie sechs Millionen US-Dollar verdient haben. Sie hat über drei Millionen Instagram-Follower, eine von ihnen ist auch die Bremerin Cherifa, die sich dort regelmäßig inspirieren lässt.

Mitbegründerin des „Modeblogger-Booms“ in Deutschland war vor gut sieben Jahren Jessica Weiß. Sie schaffte es schon mit Anfang 20, dass der Burda-Verlag sie und ihr Blog LesMads.de übernahm. 2012 hat sie in Berlin das deutschsprachiges Blogazine „Journelles – your daily Dose of Fashion, Beauty and Interior“ gegründet. Den täglichen Posts – mittlerweile zusammengestellt von einem Netzwerk professioneller Autoren – folgen monatlich mehr als 350.000 Leser.

Stefanie Haßfurther präsentiert ihre neuesten Looks auf ihrem Blog "Modepuppe".

Stefanie Haßfurther präsentiert ihre neuesten Looks auf ihrem Blog “Modepuppe”.

Von einer erfolgreichen Bloggerkarriere träumt auch Stefanie Haßfurther. Die Bremerin ist seit gut zwei Jahren dabei. „Bis dahin habe ich mich gar nicht damit beschäftigt. Ich bin durch eine Kollegin, die einen Beautyblog hat, dazu gekommen. Zusammen haben wir dann meinen Modeblog erstellt“; erzählt die 24-Jährige. Mode spielte für sie bis dahin keine so große Rolle, das habe sich mit dem Blog um 180 Grad gewendet. „Nun bin ich mal die Erste, die etwas neues trägt.“ Der erste Erfolg mit Modepuppe kam im vergangenen Jahr, als sie für ein Mode-Unternehmen regelmäßig deren Artikel vorstellte. Seitdem wird sie von PR-Agenturen anderer Marken angeschrieben und Kooperationen entstanden mit verschiedenen Firmen, darunter auch Edelmarken. „Ich schreibe immer meinen ehrlichen Eindruck, zum Beispiel, wenn ich etwas spießig finde. Allerdings sollte man auch nicht zu kritisch sein“, gesteht die Anwaltssekretärin. Wirklich Geld verdienen kann sie damit derzeit allerdings noch nicht.

Leichter wird es für Modeblogger, wenn sie bei einer Agentur betreut werden. Dann erhalten sie gezielte Anfragen. Stefanie Haßfurther hatte versucht, dort einen Fuß hineinzubekommen: „Ich wollte mich bei einer bekannten Agentur anmelden aber die waren leider schon voll.“

Wenn es ihre Zeit zulässt fährt die Bloggerin auch auf die Berliner FashionWeek. Als Blogger gehöre man mittlerweile dazu und werde genauso akzeptiert wie die Redakteure von Modezeitschriften. Schwierig sei es nur, wenn man neu ist. „Blogger haben zum Teil größeren Einfluss als Zeitschriften, weil die jungen Mädchen sich eher mit den ‘normalen’ Bloggern identifizieren als mit einem Star“, erklärt Stefanie Haßfurther. Ihr Stil sei feminin, lässig und extravagant. Als Trendsetterin würde sie sich nicht bezeichnen. Stattdessen zeige sie, wie was kombiniert werden könne. Damit möchte sie anderen Mädchen Mut machen, mal etwas zu wagen.

Inspiriert von einem Besuch in Hamburg, zeigt die Bremer Modebloggerin Marlene Borcherding auf ihrem Blog "mbStyle" nun Mut zum Hut.

Inspiriert von einem Besuch in Hamburg, zeigt die Bremer Modebloggerin Marlene Borcherding auf ihrem Blog “mbStyle” nun Mut zum Hut.

Blogs seien schneller als Modezeitschriften, authentischer und individueller, sagt zudem die Bremer Bloggerin Marlene Borcherding. Seit 2010 blogt sie selbst, seitdem hat sie sich keine Zeitschrift mehr gekauft. „Und wenn ich dann mal eine in der Hand hielt, waren da Sachen drin, die ich schon vor einiger Zeit gepostet hatte“, so die 25-Jährige. Sie sieht das Bloggen entspannt, folgt ihrem eigenen Rhythmus. Für die Studentin des Bauingenieurwesen-Studiengangs wird ihr Fashion-Tagebuch „mbstyle“ ein Hobby bleiben. Damit bewahre sie sich ein Stück mehr Unabhängigkeit. „Mir ist es wichtig, auf die Leute einzugehen. Teure Marken zu bewerben ist nicht mein Ziel“, sagt sie.

Ob die drei Bremerinnen jemals auf den Spuren von Bibi, Chiara oder Jessica wandeln werden, steht in den Sternen. Über das richtige Outfit und die dazu passenden Schuhe wissen sie aber auf jeden Fall immer rechtzeitig Bescheid.

Text: Sheila Schönbeck

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