Formen aus mächtigen Stämmen und Balken

Seit 1994 werden in der Werkstatt des Künstler-Ehepaars  Birgit und Claus Hartmann schon Galionsfiguren angefertigt und restauriert. Die Hartmanns sind die Einzigen weltweit, die sich mit diesem Kunsthandwerk noch beschäftigen. Sie wirken auf der längsten Flussinsel Europas, auf Harriersand.

„In England gab es zwei Restauratoren für Galionsfiguren, aber die sind nicht mehr aktiv. Wir sind tatsächlich ohne Konkurrenz in der Branche, und wir haben diese ausgestorbene Kunst neu zum Leben erweckt“, ist sich Claus Hartmann sicher. Die Wiederentdeckung der vergessenen Kunst ist für die Hartmanns zur Erfolgsgeschichte geworden. Seit über 19 Jahren kreuzen Schiffe mit den vorausschauenden Skulpturen, die in der Werkstatt auf Harriersand entstanden sind, über die sieben Meere. Über 30 Galionsfiguren und Bugornamente sind in dieser Zeit entstanden. Am Anfang steht immer die Vermessung des Bugs oder auch einer Hausfassade, um die Größe und die Haltung der Figur festzulegen. Die Motivwahl wird dabei oft durch den Schiffsnamen oder durch die Wünsche der Eigner und Kunden bestimmt. Darauf folgt die Wahl der Holzart, die entsprechend den Anforderungen bestimmt wird. Von nordischer Kiefer über Eiche, Ulme, Esche, Ahorn, Framire und Mahagonie reicht das Angebot. Verschiedene Hölzer in Form von mächtigen Stämmen und Balken lagern in der Werkstatt des ehemaligen Bauernhauses.

Mit Kettensäge und Beiteln

„Nachdem alle Daten festgelegt sind, werden diese auf das Material übertragen und die handwerkliche Arbeit kann beginnen. Mit der Kettensäge wird dann die Figur grob aus dem Holz geschnitten. Mit verschiedenen Beiteln und anderen Werkzeugen werden dann die Konturen konkretisiert und ausgearbeitet“, erklärt Hartmann. Diese Phase sei neben der Entwicklung einer Skulptur die kreativste in der gesamten Schnitzarbeit, weil hier am Originalobjekt alle Verzierungen und Details ihren Platz bekämen. Erst dabei entscheide sich, welche Elemente Verwendung finden. Intensives Schleifen und Glätten ist die Grundlage für die anschließende Imprägnierung und Bemalung. Abhängig von der späteren Beanspruchung durch die Umwelteinflüsse, erhält jede Skulptur eine individuelle Konservierung. Figuren an Seglern und Yachten bedürfen einer widerstandsfähigeren Bemalung, als Figuren im Interieur-­Bereich. Die umfangreiche Sammlung historischer Galionsfiguren der Familie Hartmann bildete den Grundstock für die außergewöhnliche Idee, die alte Tradition der Schiffsbildhauerei neu zu beleben. Was als Finanzierung des Studiums begann, entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem kleinen, weltweit agierenden Unternehmen mit Agenturen in den USA und anderen Staaten. Schwerpunkte der künstlerisch-handwerklichen Arbeiten stellen die Galionsfiguren für traditionelle Segelschiffe und Yachten dar. Mit innovativen Gestaltungsideen und der Verwendung moderner Werkstoffe, wie Edelstahl und Aluminium, bedienen die Hartmanns zunehmend auch den Mega Yacht Markt mit Bug- und Interieur-Skulpturen, sowie Schnitzereien aus edlen Hölzern.

Friesische Fliesenmalerei

Seit zwei Jahren hat sich Claus Hartmann auch der Bearbeitung anderer Materialien zugewandt, dazu gehört etwa die Fliesenmalerei. Dafür ließ er seine Friesische Fliesenmanufaktur aus der Studienzeit wieder aufleben. „Ich liebe die Abwechslung, und das hat sehr gut geklappt“, so der bodenständige Künstler. Ein weiteres Feld seiner Tätigkeit ist die Herstellung von Namensschildern für kleinere Yachten und Schiffe. „Ich mache den Leuten aber auch eine Figur für den Swimmingpool-Bereich“, erklärt Hartmann. Aktuell arbeitet der 56-jährige an einer kleinen Galionsfigur für ein Ehepaar, das die Welt umsegeln möchte. Darüber hinaus formt er im Moment eine Geisha sowie ein androgynes Männergesicht.

Fischen als Leidenschaft

Die zweite Leidenschaft von Claus Hartmann ist das Reusenlegen. Seit einigen Jahren ist er im Besitz der Fischerreirechte. In seinen Reusen fängt er neben Aalen auch Lachse, Meerforellen, Schollen und Zander. Jetzt freut er sich auf die nahende Saison der Aale. Diese räuchert er selbst in einer Tonne und versorgt damit auch gute Freunde.

Text: Peter Angelmann, Foto: Hartmann

Info