Bremer Designer auf Erfolgskurs

Wohl kaum jemand bringt Bremen mit der Entstehung exklusiver Designermode in Verbindung. Dass aber sehr wohl kreative – und teilweise sogar weiltweit erfolgreiche – Modemacher der Hansestadt entspringen, beweisen die vier Persönlichkeiten, die das BREMEN MAGAZIN aufgespürt hat.

Mode von der Stange zu kaufen, ist in Bremen kein Problem: Die Innenstadt, aber auch diverse Einkaufszenter bieten für jeden Geldbeutel und jedes Alter Marken- und No-Name-Artikel. Doch auch diejenigen, die sich individueller kleiden möchten, müssen dafür nicht nach Paris oder Mailand reisen. Von ausgefallenen Herrenhemden der Marke Paul v. Alpen 1886, über „star-geprüfte“ Jeans des Labels „Blessed & Cursed“ und pelzige Einzelstücke aus dem Hause Jens Asendorf bis hin zu Schmuckstücken aus der Schmiede von Ute Wichels – Für die modebewussten Frauen und Männer an der Weser gibt es viele Möglichkeiten, sich „regional“ auszustatten.

 

 

Paul v. Alpen 1886

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Christoph Malig arbeitet als Modellmacher für bekannte Marken wie Gerry Weber. Dabei umfasst sein Aufgabenbereich den Entwurf, den Schnitt sowie die Fertigungstechnik von vornehmlich Damenoberbekleidung. Als Kontrast zu dieser Tätigkeit gründete der 47-Jährige im Mai letzten Jahres das Modelabel Paul v. Alpen 1886, hinter dem sich Herrenhemden verbergen. Der Name der neuen Marke ist eine Hommage an Maligs Urgroßvater Paul von Alpen, der im Jahre 1886 geboren wurde.

Bereits dessen Vater Ulrich hatte beruflich mit Textilien zu tun, im 19. Jahrhundert war er Textilfabrikant bei Aachen. Maligs Motivation, sich der Herrenoberbekleidung zu widmen ist folgende: „Ich liebe ausgefallene Hemden und finde, dass es davon viel zu wenig auf dem Markt gibt“. Seine Sommerkollektion ist hell, bunt, schrill und im Vergleich zu gängigen Herrenhemden sehr auffällig. Deshalb beschreibt der seit 2002 in Bremen wohnhafte Kölner sein Zielgruppe so: „Selbstbewusst, unabhängig und mit eigenem Stil. Männer, die sich nicht jedem Modediktat unterwerfen und sich auch mal mit einem Augenzwinkern sehen.“ Obwohl die auf 30 Stück pro Serie li­mitierten Hemden vor allem durch den besonderen Druck wirken sollen, ist dem Modellmacher auch die Qualität sei­­ner Produkte wichtig: „Es ist immer 100 Prozent hochwertige und pflegeleichte Baumwolle, die verarbeitet wird. Die Knöpfe sind aus Perlmutt und mit dem Logo versehen.“

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Und auch bei den Herstellungsbedingungen seiner Designerstücke geht Malig mit gutem Vorbild voran, denn seine Oberhemden sind „rein europäisch“, verspricht er: „Die meisten Stoffe kommen aus Italien oder einem anderen europäischen Land. Produziert werden meine Hemden in einer Firma in Polen.“ Erhältlich sind die Designerteile ab 139 Euro. Die Bestellungen gehen direkt bei Christoph Malig ein, und er verpackt und verschickt die Ware persönlich an die Käufer. „Mein Unternehmen ist halt noch eine One-Man-Show“, fügt der Wahl-Bremer hinzu. Wobei er hofft, dass durch Kooperationen mit Boutiquen seine Hemden demnächst auch im Einzelhandel erhältlich sein werden. Derzeit sind die ausgefallenen Stücke nur im Internet erhältlich.

www.paulvonalpen.de

 

 

Ute Wichels

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Als „Autodidaktin“ beschreibt sich die Schmuck-Designerin Ute Wichels. Zwar entwickelte auch sie bereits sehr früh eine Leidenschaft für Schmuckstücke, doch schlug sie keinen modenahen Bildungsweg ein, sondern studierte BWL. „Während meines Studiums in Pforzheim lernte ich meinen Ex-Mann, einen Goldschmiede-Meister, kennen“, erinnert sich die 54-Jährige.

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Im Jahre 1985 machte sich das Ehepaar mit einer Goldschmiede im Schnoor selbstständig, zehn Jahre später folgte ein zweites Geschäft. „Ich habe dort im Verkauf gearbeitet und erst viel später gemerkt, wie viel ich mir unbewusst bei der Fertigung angeeignet habe“, so Wichsels. Als sie ein paar Jahre nach der Trennung von ihrem Ehemann selbst anfing Schmuck zu fertigen, den sie in erster Linie häkelt oder strickt, kam ihr der „nebenbei“ erlernte Umgang mit Edelmetallen zugute.

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Ute Wichels fertigt schmückende Unikate für Damen und Herren. Sie verarbeitet dabei Edelstahl, Glasperlen, Swarovski-Steine, Leder und hochwertige Stoffe, die sie gern zu farbenfrohen Accessoires macht. Die handgefertigten Schmuckstücke der Habenhauserin sind im Mode 28-Geschäft, Fedelhören 94, erhältlich. Auch Auftragsarbeiten übernimmt Wichels gern.

www.utewichels.de

 

 

Blessed & Cursed

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Die Karriere von Nicola
Eibich begann 1989 mit einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei Ospig Textil, die unter anderem Paddock‘s Jeans herstellen. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren entwickelte die gebürtige Bremerin eine Leidenschaft für Jeans, die sie bis heute begleitet. Bevor Eibich 2007 ihre Premium-Jeansmarke „Blessed & Cursed“ gründete, arbeitete sie für Textilunternehmen wie Ulla Popken, Jean Pascale und Charles Vögele.

Die Erfahrung, die sie als Einkaufsleitung erworben hatte, half der heute 41-Jährigen, einen Businessplan für ihr eigenes Unternehmen zu erstellen. „Das hört sich zwar recht einfach an, aber es war mit anderthalb Jahren Recherche in den USA verbunden, diesen Businessplan zu entwerfen“, erzählt Eibich. Ihr Konzept basiert darauf, bekannte Persönlichkeiten aus dem Showbiz für ihre Jeans zu begeistern.

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Die in der Öffentlichkeit stehenden Sternchen sind, wie Eibich sagt: „Multiplikatoren, die Begehrlichkeit wecken“. Und ihr Konzept ist aufgegangen: Inzwischen tragen Celebrities, wie Rihanna, Fergie (Black Eyed Peas), Michael Ballack und Nena „Blessed & Cursed“. Wobei die Sängerin und Juri-Mitglied bei „The Voice of Germany“ besonders angetan von ihren Jeanshosen sei: „In der letzten Voice-Staffel hat Nena ausschließlich meine Jeans getragen“ erklärt Eibich stolz.

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Den Erfolg ihrer Jeans-Mode führt die sympathische Unternehmerin nicht ausschließlich auf ihre clevere Marketingstrategie zurück, sondern auch auf die Qualität ihrer Produkte: „Es ist ein Zusammenspiel aus Passform, Stoff und Look. Die Bequemlichkeit ist mir sehr wichtig, deshalb probiere ich alle Jeans persönlich an, bevor sie in den Verkauf gehen.“ Ihre trendige Jeansbekleidung vertreibt Eibich über Einzelhändler sowie in ihrem „Blessed & Cursed“-Store an der Schenkendorfstraße 22 in Hamburg.

www.blessedandcursed.de

 

 

Jens Asendorf

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Schon als Kind wollte Jens Asendorf, der einer Kürschner-Familie entstammt, in die Fußstapfen seines Vaters treten. Es lag somit nahe, dass der heute 52-Jährige bei seinem Vater in die Lehre ging. Danach reiste er zehn Jahre durch Deutschland, um sein Können zu erweitern. Und doch zog es ihn wieder nach Bremen zurück, wo er sich 1990 mit einem Pelzgeschäft in Schwachhausen selbstständig machte. 2010 verlegte Arsendorf seine Geschäftsräume dann ins Erdgeschoss seines Wohnhauses in der Vahr, „denn ich hatte so gut wie keine Laufkundschaft“, erklärt der Kürschner. Das Pelz-Geschäft habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: „In den 80er Jahren waren Pelze ein Massenprodukt, heute ist es ein Luxusprodukt.

Dementsprechend klein ist die Zielgruppe“, so Asendorf. Wenn sich jemand für Pelze interessiert, dann beschäftigt er sich länger mit dem Kauf und macht einen Termin mit Jens Asendorf aus, der sich viel Zeit für die Wünsche seiner Kunden nimmt. Seit geraumer Zeit habe sich nicht nur seine Kundschaft, sondern auch die Ausrichtung seiner Dienstleistungen gewandelt: „Den größten Teil meiner Arbeit macht die Umgestaltung alter Pelze aus“, so Asendorf. Durch die lange Tragedauer von 60 bis 80 Jahren und den hohen Wert von Pelzen, würden diese oft weitervererbt. In solchen Fällen wird häufig bei dem Bremer Kürschner angefragt, der die Kleidung für den neuen Eigentümer tragfähig macht.

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Die aus Fellen gefertigten Kleidungsstücke, die Jens Asendorf anbietet, reichen von Stirnbändern und Mützen über Schals bis hin zu Westen und Mänteln. Aber auch Tagesdecken fertigt der Experte aus Pelzen. Beim Thema Pelzbekleidung bleibt die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit nicht aus. Darauf antwortet der „Kürschner aus Leidenschaft“, wie Asendorf sich beschreibt, wie folgt: „Ich bin froh, dass Pelze kein Massenprodukt mehr sind. Dadurch wird besonders auf die Qualität der Felle geachtet, und diese ist stark von den Zuchtbedingungen abhängig. Zudem muss kein Mensch Pelze tragen – Und das ist gut so.“

www.ja-pelze.de

 

Text: Edyta Brümmer

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