Seit 30 Jahren gibt es Element Of Crime um Sänger Sven Regener.

Er ist Sänger, Gitarrist, Texter und Trompeter bei Element-Of-Crime, Autor der Bestseller-Romane „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“, Produzent diverser Musikbands und an der Seite von Leander Haussmann sogar zum Filmemacher und Schauspieler geworden: Sven Regener. In der Vahr und Blockdiek aufgewachsen, lebt der Musiker mittlerweile in Berlin – ohne seine Norddeutsche Heimat dabei jemals vergessen zu haben.

Vor allem bei Lesungen hat man das Gefühl, Regener hätte seine Geburtstadt niemals verlassen. So norddeutsch-bremisch klingt seine Stimme, wenn er aus seinen Romanen zitiert. „Ich komme da nun mal her, warum soll ich das verleugnen?“, lautet seine ebenso kurze wie eindeutige Erklärung. Mit „Herr Lehmann“ gelang ihm 2001 der Durchbruch als Autor. Sogar der Literaturkritiker Marcel Reich Ranicki lobte das Werk über den 30-Järigen Frank Lehmann, der von Bremen nach Berlin gegangenen war und dort in Kreuzberger Kneipen sowohl arbeitete als auch seine Freizeit verbrachte, auf für ihn ungewöhnliche Weise: „Ich habe sehr gelacht und ich lache nur selten unter meinem Niveau“. Dennoch sieht sich Regener eher als Musiker denn als Autor. Schließlich feiert die Band in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Dabei war er selbst anfangs vielmehr dem Jazz als der Rockmusik zugetan.

Am Neujahrstag 1961 erblickte Sven Regener im Osten Bremens das Licht der Welt
Obwohl er eigentlich aus keiner musikalischen Familie stammte, spürte Regener schon im Kindesalter seine Liebe zur Musik. „Oh Gott, der Junge ist musikalisch“, sollen seine Eltern damals gesagt haben. Und so bekam der Junge im Alter von zehn Jahren seine erste Gitarre geschenkt. Regener lernte klassische Gitarre und fühlte sich gleichzeitig von einem anderen Instrument, der Trompete, fast magisch angezogen. „Das mit der Trompete war meine eigene Idee und ich habe sehr früh damit angefangen, darauf zu sparen. Bis ich sie mir mit 15 endlich kaufen konnte,“ so der heute 54-Jährige. Vor allem die Jazzer Louis Armstrong und Miles Davis waren seine großen Vorbilder. Heute ist gerade die teilweise an mexikanischen Mariachi-Sound erinnernde Trompete zu einem Markenzeichen des Element-Of-Crime-Sounds geworden. Und sie ist auch schon bei Stücken von Tomte, Das Holz oder Maike Rosa Vogel erklungen.

1980 verließ Regener die heimatlichen Gefilde, um zunächst seinen Zivildienst in Lüneburg zu absolvieren und es anschließend seinem Roman-Helden Lehmann gleich zu tun und nach Berlin zu ziehen, wo er die Rockmusik für sich entdeckte. „Aber nicht die Lederhosen und das Gepose, sondern vielmehr die Kühle und Reduziertheit des Postpunk haben mich in ihren Bann gezogen“, erklärt der Musiker. So kam es noch im gleichen Jahr (1982) zu einem ersten Album mit der Band Zatopek, während er in Hamburg (1981 bis 1982) und anschließend auch in Berlin, Musikwissenschaften studierte – was er aber schnell wieder beendete. „Ich nicht der Typ fürs studieren“, so Regener. Ende 1985 dann der große Wendepunkt in seinem Leben. Der damals 24-Jährige beschloss, sein Leben der Musik zu widmen – im praktischen Sinne Wieder zurück in Berlin wurde Element Of Crime gegründet und seine eigentliche musikalische Kariere begann. „Von dem Zeitpunkt an habe ich mich als Musiker gesehen.“ Zumal er auch noch singen durfte und plötzlich Teil des Rock’n’Roll-Lebens war, das ihn seither begeistert. Auch wenn er anfangs, um sich finanziell über Wasser zu halten, nebenbei als „Tippse“, jobben musste. „Ich habe das aber auch gerne gemacht, weil ich einfach gut tippen konnte“.

Zwar traten Element Of Crime anfangs noch vor nur knapp 100 Zuschauern in kleineren Sälen – in Bremen beispielsweise im Römer – auf, doch mit den Jahren wurde die Band immer bekannter und erfolgreicher. Und seit Anfang der 90er Jahre ging Regener auch mit der Idee schwanger, einen Roman zu schreiben. „Ich hatte damals als Geburtstagsgeschenk für eine Bekannte eine Kurzgeschichte geschrieben. Irgendwie fand ich immer, dass diese eigentlich so etwas wie das erste Kapitel für ein Roman sei.“ Diese Geschichte mit dem Titel „Der Hund“ wurde unter anderem in der Bremer Literaturzeitschrift „Der Salmoxisbote“ veröffentlicht. Dennoch brauchte es mehr als zehn Jahre, bis 2001 mit „Herr Lehmann“ auch der literarische Durchbruch gelang. „Ich hatte einfach zuviel zu tun“, erklärt Regener die Verzögerung. Und Texte schreiben und gleichzeitig an einem Roman arbeiten gehe bei ihm einfach nicht. Mittlerweile sind sechs Bücher erschienen, mit Element Of Crime hat er unterdessen 13 Studioalben produziert. Das letzte mit dem Titel „Lieblingsfarben und Tiere“ erschien im vergangenen Herbst und wird jetzt auf einer ausgiebigen Tournee vorgestellt. Dieses Mal, anders als in den 80er Jahren, nicht vor knapp 1000 sondern mehr als 5000 Zuschauern im Pier2 . Und auch wenn die Band ihr 30-jähriges Jubiläum in diesem Jahr ausdrücklich nicht feiern will, werden sicherlich einige alte Bremer Weggefährten zum gratulieren erscheinen.

Fotos: Charlotte Goltermann

Info

Am 6. und 7. März spielen Element Of Crime im Pier 2