Thorsten Havener entschlüsselt Körpersprachen-Code in der Glocke

Thorsten Havener sorgt regelmäßig für Verblüffung bei seinem Publikum. Der Experte der Körpersprache kennt die Wirkung der richtigen Worte, kleinste Bewegungen der Augen, ein Zucken am Mundwinkel. Im Interview spricht der 42-jährige Entertainer über Schubladendecken, Fleiß und den Faktor X in seiner Show.

01/ Eine deutsche Tageszeitung hat mal geschrieben, Sie gucken in die Gehirne fremder Menschen… Was ist da dran?
Das überlasse ich meinem Publikum, das zu entscheiden. Die Show dreht sich genau darum. Da sind Geheimnis und Überraschung natürlich sehr wichtig. Daher möchte ich das noch gar nicht so weit aufdecken.

02/ Sie werden als Gedankenleser, Körperleser, Mentalist und Illusionist beschrieben. Was trifft am ehesten zu?
Es gibt keine richtige Schublade, und genau das finde ich so schön. Alle Begriffe treffen zu. In der Show geht es um Körpersprache, das ist das Thema. Aber es geht auch weit darüber hinaus. Ich mache ja Unterhaltung. Ich würde das eher als Freigeist bezeichnen. Ich nehme mir von allem, was mich interessiert die Teile heraus, die ich am spannendsten finde und stricke daraus den Abend.

03/ Ist Ihr Können eine Gabe?
Nein, das ist eher Fleiß. Ich bin ein großer Verfechter der These, dass Talent meistens stark überschätzt und Fleiß meistens stark unterschätzt wird. Eine Gabe wäre etwas, was man geschenkt bekommt. Die Dinge, die ich benutze sind Methoden und Techniken, die man erlernen kann.

04/ Als 13-Jähriger hatten Sie als Zauberkünstler Ihren ersten Auftritt, nun sind Sie 42. Wie hat sich Ihr Auftritt und Auftreten auf der Bühne verändert.
Es hat sich schon ziemlich viel getan. Aber wenn ich mir die ganz alten Videos ansehe, sieht man schon, dass da eine Veranlagung da war, vor Leuten zu stehen und dieser Spaß, andere zu unterhalten. Das Gen braucht man natürlich schon. Das kann man nicht lernen. Dieser Grundfunke und der Grundhumor war damals schon, das musste nur freigelegt werden.

05/ Wie sehr spielt Glück eine Rolle bei Ihren Shows?
Ich mag den Begriff nicht so gern. Ich bevorzuge es neutral und bezeichne es als einen Faktor X. Es gibt immer einen Faktor, den wir nicht beeinflussen können zum Beispiel, was hatte die Person vor mir für einen Tag, wie konzentriert kann sie denken oder sich Dinge bildlich vorstellen. Das ist für manche Spiele wichtig. Das kann ich nicht beeinflussen. Und dieser Faktor X spielt bei allem, was ich mache, eine Rolle.

06/ Ist solch ein Wissen für Sie auch mal von Nachteil etwa im Privaten?
Privat bin ich ganz anders als auf der Bühne, ich rede gar nicht so viel. Daher kann man den Privat- und den Bühnenmenschen gar nicht in eine Schublade stecken. Ich hatte bisher nur Vorteile. Ich scanne auch nicht ständig jeden durch. Das wäre langweilig. Ich vermische nicht immerzu meine Arbeit ständig mit dem Privaten.

07/ Ertappen Sie sich manchmal selbst dabei, dass Sie durch Ihre Körpersprache ungewollt etwas preisgeben?
Die Körpersprache und auch die psychologische Beeinflussung, was auch eine große Rolle spielt in der Show, sind unbewusste Prozesse. Das ist das Spannende daran. Letztlich mache ich ja nicht viel mehr als Dinge, die wir alle unbewusst sowieso ständig machen und meistens auch richtig. Wir haben feine Antennen für die Körpersprache. Sobald man darüber nachdenkt, wird es komisch zumindest für die, die es beobachten. Ich denke meistens gar nicht darüber nach, was ich mache. Antrainiert habe ich mir eher Bühnenfertigkeiten. Was ich mache, gehört auf eine Bühne. Das ist Unterhaltung, da kann ich sämtliches Umfeld kontrollieren. Im Privatleben ist das nicht so.

08/ Sind die Besucher Ihrer Show anschließend alle vermeintliche Körpersprache-Experten?
Sie wissen schon mehr über Körpersprache und gucken anders hin. In einer zweieinhalb Stunden Show kann man niemanden zum perfekten Körperleser ausbilden. Darum geht es auch gar nicht. Sie allerdings gut gelaunt. Eine Rückmeldung ist oft, dass die Leute zwar nicht wissen, was ich da gemacht habe, sie aber sehr viel Spaß hatten und darum geht es. Es ist eine Unterhaltungsshow.

Text: Sheila Schönbeck

Info

Termin:
10. Mai, 20 Uhr,
Glocke