Die Neue Serie: Bremer Gesichter

„Hochwertige, Stoffe, raffinierte Entwürfe, ausgefeilte Schnitttechniken und wunder­schöne Farbgestaltungen“ – damit wirbt das Modegeschäft Super Women von Elin Astrid Becker auf seiner Internetseite. Das Besondere daran: Es gibt alles erst ab Größe 42.

„Auf Mallorca habe ich viele runde Frauen gesehen. Da habe ich mir gedacht: Warum mache ich eigentlich keine Mode für große Größen?“, sagt Elin Astrid Becker heute, 28 Jahre nach ihrem Urlaub auf der Balearen-Insel. Zu der Zeit hatte die gelernte Schneiderin noch ein Stoffgeschäft am Dobben, mehrere Schneiderinnen waren bei ihr angestellt. Maßanfertigungen waren das gängige Geschäft. „Ich hatte aber schon damals Lust, etwas Neues auszuprobieren.“ Mitte der 80er Jahre war es noch eher ungewöhnlich, bewusst Mode in großen Größen, insbesondere für Frauen, anzufertigen und selbstbewusst damit umzugehen. Zumeist fanden sich solche Kollektionen eher versteckt in den Kaufhäusern.

Zurück von Mallorca wurde dann innerhalb eines Monats eine Kollektion kreiert: Hose, Rock, Jacke, Hemd – mehr als 40 Teile mussten entworfen, zugeschnitten und genäht werden. Elin Astrid Becker und ihre Angestellten waren fast Tag und Nacht bei der Arbeit, um die erste Kollektion schließlich bei einer Modeschau für große Größen im Parkhotel präsentieren zu können. Mit überwältigendem Erfolg. Mehr als 150 vornehmlich weibliche Besucher kamen – ausverkauft! Sogar Models für die Kollektion zu finden war „leichter als gedacht“, wie sich die Designerin erinnert. Freundinnen, Angestellte und Kundinnen liefen über den Laufsteg und „machten ihre Sache allesamt sehr gut“. Die damalige Senatorin Eva Maria Lemke hielt eine Rede. Einladungen zu Sat1, Buten & Binnen und weiteren Medien folgten – „es war etwas besonderes damals, niemand sonst traute sich ein Geschäft nur für große Größen aufzumachen“.

Viele trauen sich immer noch nicht
Mittlerweile existiert „Super Women“ seit 1987 in der Dechanatstraße. Elin-Astrid Becker, die versucht, bei ihrem Angebot, auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen einzugehen. „Wir müssen umsetzen, was geht. Einen Schnitt einfach nur zu vergrößern funktioniert in der Regel nicht. Da gibt es andere Befindlichkeiten.“ Und so finden sich bei „Super Women“ neben einer Auswahl diverser Hersteller auch immer eigene Kollektionen. Schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung, worauf man bei großen Größen achten muss. „Wenn ich sehe, wie sich einige in kleinere Größen quetschen als sie eigentlich tragen müssten, kann ich nur mit dem Kopf schütteln“.
Viele trauen sich anscheinend immer noch nicht, ein Geschäft für große Größen zu betreten. „Zwei Jahre gehe ich bei Ihnen vorbei und erst jetzt komme ich rein“, hört die 68-Jährige häufig von Frauen, denen es bisher unangenehm war, in ihr Geschäft zu kommen. „Aber genau dafür sind wir da, damit sich auch rundere Frauen in ihrer Kleidung wohlfühlen können.“
In den vergangenen Jahren hat sich so vor allem eine Stammklientel herausgebildet. Und die kommt nicht nur aus Bremen und der Umgebung. „Wissen Sie, dass ihr Name bei uns im Ort als Geheimtipp gehandelt wird?“, fragten einmal zwei Kundinnen. Das Ungewöhnliche daran: die beiden kamen aus Massachusetts. Seither bekommt Elin Astrid Becker regelmäßig Besuch aus den Vereinigten Staaten. Aber auch aus ganz Deutschland sowie aus Russland und Skandinavien kommt die Kundschaft.
Fast nebenbei hat die Tierliebhaberin (sie hat zwei Hunde und zwei Katzen) im Übrigen ein Kunststudium an der Hochschule für Künste absolviert – Abschluss 2013. „Das war natürlich sehr hart, neben dem eigentlichen Job. Es hat aber auch unheimlich viel Spaß gemacht.“ Außerdem hatte sie wohl wieder mal Lust, etwas Neues auszuprobieren.

Text und Fotos: Martin Märtens

Info

Am 1. März wird die neue Frühjahr-/Sommer Collection ab 10 Uhr bei „Super Women“ in der Dechanatstraße 3 vorgestellt.