Jürgen von der Lippe kommt für einen Doppelauftritt ins Musical Theater

 

Moderator, Liedermacher, Schauspieler, Entertainer oder Comedian – Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp alias Jürgen von der Lippe – macht seit 40 Jahren im Showgeschäft so ziemlich alles. Im Interview erklärt der 67-Jährige unter anderem, warum er gerne auf kleinen Bühnen auftritt und was ihm am heutigen Fernsehen nicht gefällt.

 

Von Martin Märtens

 

Sie stehen seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Was treibt Sie da immer noch an?

Vor allem, dass es mir immer noch viel Spaß macht. Es gibt ja nichts Schöneres. Es ist irgendwie auch eine Sucht. Wir Bühnenpferde, oder wie auch immer Sie das nennen wollen, sind so eine Art Junkies. Aber Junkies, die den Leuten gut tun. Es hat nachweislich aus medizinischer Sicht ausschließlich Vorteile, wenn man Menschen zum Lachen bringt. Uns müsste es also eigentlich auf Krankenschein geben.

 

Sie gelten als einer der ersten Stand-Up-Comedians Deutschlands.

Der erste war eindeutig Otto. Er hat früher angefangen und hatte auch früher seinen großen Durchbruch. Davor gab es eigentlich nur Insterburg & Co sowie Ulrich Roski, an denen ich mich orientiert hatte. Ich habe ja schließlich auch als Liedermacher angefangen. Erst nach und nach wurden bei mir die Textanteile größer. Ich bin, wenn man es genau betrachtet, eine Art Promenadenmischung aus Liedermacher und Comedian – beeinflusst von den großen Conferenciers der 60er Jahre.

 

Und dann kamen die Gebrüder Plattschuss …

… die eher zufällig entstanden waren. Wir wollten eigentlich nur was Kleines zum Geburtstag des „Go In“, einer Szenekneipe mit Auftrittsmöglichkeit, machen. Das hatte mein damaliger Produzent gesehen und meinte, dass wir aus den Oldies, die wir dort verhunzt hätten, unbedingt eine Platte auf Deutsch machen müssten. So geschah es dann auch.

 

Nach zwei Jahren und dem größten Hit der Gebrüder „Kreuzbürger Nächte“ verließen Sie die Gruppe. Warum?

Ich war damals zeitgleich mit den Arbeiten zu meinem ersten Soloalbum beschäftigt. Mir wurde das dann alles zuviel.

 

Kurze Zeit später begann dann Ihre Fernsehkarriere.

1980 kam die erste regelmäßige Fernsehbeschäftigung – als Hausmeister im WWF Club – hinzu. Wichtig ist mir dabei eines: Ich war nie der Fernsehmann, der auch auf die Bühne gegangen ist, sondern ich war immer der Bühnenmann, der auch mal Fernsehen gemacht hat.

 

Dennoch waren Sie im Fernsehen sehr präsent. Was dabei auffiel: Ihre Shows hatten irgendwie immer ein besonderes Format. Hatten Sie darauf Einfluss?

Beim WWF Club war meine Rolle als komischer Hausmeister schon vorgegeben. In der komischen Rolle war ich aber relativ frei, konnte beispielsweise eine Witzecke für Kinder einführen. Damals ist Fernsehen völlig anders gemacht worden als heute.

 

Wie meinen Sie das?

Ich glaube, dass die Fernsehmacher sich heutzutage auf einem Irrweg befinden. Es entsteht derzeit so eine Art Konsensfernsehen von Bedenkenträgern. Da sitzen 20 Sesselpupser um einen Tisch und zerreden jeden komischen Einfall. Das macht mich wahnsinnig. Ich habe da so keine Lust mehr drauf.

 

Das war bei Ihnen also noch anders?

Ja. Ich erinnere mich zum Beispiel an den wundervollen Satz meines damaligen Unterhaltungschefs: „Sie möchten also ,Donnerlippchen’ (1986 – 1988, Anm. d. Redaktion) nicht weitermachen. Dann lassen Sie sich mal etwas einfallen.“ Dieser Satz wird heute zu keinem Künstler mehr gesagt. Aber man muss doch einem Künstler auch mal was zutrauen. Dieses Sicherheitsfernsehen von heute funktioniert vielleicht irgendwie – aber es wird meiner Meinung nach nie etwas Geniales herauskommen.

 

Planen Sie etwas Neues im Fernsehen?

Ich dränge mich da nicht auf. Es ist festzustellen, dass das, was ich gerne machen möchte, die Sender nicht wollen. Und das, was die Sender mir anbieten, möchte wiederum ich nicht machen. Wie es scheint entwickeln wir uns da geschmacklich sehr auseinander. Aber was soll’s? Ich mache meine Comedy- und Lesetouren. Und das macht mir sehr großen Spaß.

 

Was dabei auffällt, ist, dass Sie nicht in den ganz großen Arena sondern eher in kleineren Sälen, wie beispielsweise dem Musical Theater in Bremen mit 1400 Plätzen und sogar noch deutlich kleineren Auftrittsorten gastieren …

Sehen Sie, was ich mache, heißt doch Kleinkunst. Ich finde es wichtig, dass man den Raum, in dem man auftritt, mit seiner Energie gut beherrschen kann. Bei den für mich größeren Hallen so ab 2500 Zuschauern fing es an, mir keinen Spaß mehr zu machen. Ich hatte am Schluss das Gefühl, einfach alle zu sein. Ich habe dann entschieden in maximal 1500er Sälen zu spielen. Ansonsten fehlt doch jede Intimität. So ist zumindest mein subjektives Empfinden. Jeder soll natürlich machen, wozu er Lust hat. Und letztlich habe ich in Berlin ja annähernd so viele Zuschauer wie Mario Barth – nur verteile ich das über vier bis fünf Wochen.

 

Was macht für Sie den Reiz aus, in kleinen Räumlichkeiten vor beispielsweise nur 250 Zuschauern zu spielen?

Es macht einfach riesigen Spaß, weil die Leute ganz dicht dran sitzen. Man hört praktisch jeden einzelnen Lacher. Und es sind doch die schönsten Stellen, wenn einzelne so richtig abgehen. Wobei Saalbrüller natürlich auch herrlich sind.

 

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem aktuellen Programm in Bremen?

Was für mich auch neu ist, ist, dass ich Leute auf die Bühne hole. Mit denen werden dann ein paar schöne Spielchen gemacht, die auch das Publikum erfreuen. Ohne dass dabei jemand blamiert oder ähnliches wird. Ich spiele Saxofon, womit ich erst vor drei Jahren begonnen habe und was mir große Freude bereitet. Ich versuche in jeder Show etwas Neues zu bieten.

 

Jürgen von der Lippe gastiert mit seinem Programm „Wie soll ich sagen“ am 26. und 27. Februar im Musical Theater.

 

Verlosung von 1×2 Karten für den Auftritt am 26. Februar. Einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Lippe“ sowie den Kontaktdaten an redaktion@bremen-magazin.de schicken. Einsendeschluss ist der 15. Februar.