• 11. Dezember 2014
  • Kunst
Markus Genesius geht neue Wege in der Graffiti-Kunst

Die Sprühdose gehört seit mehr als 26 Jahre fest in die Hände von Markus Genesius. Der Bremer hat als Graffiti-Künstler eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Angefangen mit illegalen Sprühaktionen an Unterführungen und Zügen, es folgten Auftragsmalereien und schließlich Ausstellungen weltweit.

Ob im Viertel, in der Neustadt, in Walle oder in Nord – es gibt kaum einen Stadtteil in Bremen, in dem Markus Genesius nicht seine künstlerische Handschrift hinterlassen hat. Längst beschränkt sich der Bremer, dessen Künstlername Wow123 ist, nicht mehr nur auf seine Heimatstadt, um sich kreativ auszutoben. Der 40-Jährige ist ein gefragter Künstler und längst über jene Art Graffiti hinausgewachsen, die sich auf verbotene Sprühaktionen in der Nacht konzentriert. Sein Können führt ihn mittlerweile in Galerien. Aktuell jagt eine Ausstellung die nächste: Heidelberg, Berlin, Barcelona, Hamburg.

Seit der Trend 1984 aus Amerika kam, prägen Schriftzüge (Tags) und Graffiti das Stadtbild fast jeder europäischen Metropole. Vier Jahre später greift Genesius als 14-Jähriger erstmals zur Sprühdose und malt in einer Unterführung einen Charakter (eine Figur). Überwältigt von dieser Aktion, kommt der junge Sprayer auf seinen Künstlernamen Wow123, die Zahl ist sein Geburtsdatum. „Graffiti und Hip-Hop fanden meine Freunde und ich damals einfach nur cool“, sagt er heute. Es folgen weitere illegale Streifzüge mit der Dose, bis er erwischt wird und zahlen muss. „Ich habe dann relativ früh erkannt, dass es spannender ist, sich mit mehreren Künstlern zusammen auf großen Flächen legal auszuprobieren“, sagt der Künstler.
Das erste richtig große Fassadenbild entsteht 1995 in Walle zusammen mit seinem Künstler Kollegen Daim aus Hamburg als freie Auftragsarbeit.

Genesius fährt früh in umliegende Städte wie Hamburg und Hannover und sucht nach Gleichgesinnten. „Man musste sich damals viel mehr bewegen, um zu sehen, was in der Szene passiert und sich weiter zu entwickeln. Austausch über Internet und Handy gab es noch nicht “, erinnert sich der Künstler. Über 100 Arbeitsreisen in 28 Länder hat der Vater einer Tochter bis heute auf seinem Konto. Die Verbindungen zu anderen Sprayern weltweit reichen bis nach Neuseeland.

In seiner Bildsprache zeigt er oftmals Fragmente von Buchstaben mit Figuren kombiniert, immer darauf bedacht, dass seine persönliche Handschrift erkennbar ist. Doch seit vier Jahren schlägt Markus Genesius einen neuen Weg ein. Um seine Kunst in einem anderen Format zu präsentieren und einen Teil seiner Arbeiten zu „konservieren“, arbeitet er auf Leinwand. „Es fällt mir nicht schwer, auf dem begrenzten Platz künstlerisch neue Ansätze zu entdecken. Der Spielraum ist viel größer, wenn es abstrakter wird“, erklärt Genesius, ein Fan Pablo Picassos. Seine Arbeit bewegt sich vom Realistischen ins Abstrakte. Er mag es aber auch, beides zu vermischen.

In seinem Atelier in der Plantage 9 in Findorff arbeitet der Kreative seit einiger Zeit an einer Serie: Grundlage ist das Fernsehtestbild aus farbigen und schwarzweißen Feldern, das im digitalen Zeitalter verloren gegangen ist. „Die Formen und reduzierten Farben faszinieren mich. Es hat etwas von einem Logo, ähnlich wie ein Tag, das ich verfremde auseinander nehme und dann wieder neu konstruiere“, erklärt der Künstler. Der nächste Schritt ist schon getan: ein 3D-Nachbau aus Holz. Weitere Installationen sollen folgen.

Die Arbeit im Atelier ersetze aber nicht das Schaffen an Hauswänden, sagt der Künstler. Er sehe es als Privileg an, den öffentlichen Raum mitzugestalten. Im vergangenen Jahr wurde er vom deutschen Auswärtigen Amt nach Russland eingeladen, wo die Graffiti-Szene noch recht jung ist. Zusammen mit einem Kollegen besprühte er innerhalb von zwei Wochen in Magnitogorsk und Jekaterinenburg zwei 30 Meter hohe Fassaden. „Nach anfänglicher Zurückhaltung und Respekt, waren die Menschen dort total herzlich und euphorisch“, erinnert sich Genesius.

Der Bremer hält auch Vorträge und hat im vergangenen Jahr zum Beispiel für die Kunsthalle Schirn Frankfurt als Dozent gearbeitet und eine Fassade gestaltet. „Mittlerweile wird Street-Art und Graffiti aus einem anderen Blickwinkel beziehungsweise einer anderen Perspektive betrachtet“, freut er sich. Es sei wichtig, dass es als zeitgenössiche Kunstform akzeptiert wird und nicht nur als Vandalismus oder Prävention vor vermeindlichen Schmierereien. „Die Qualität steht im Vordergrund, nicht Graffiti als reine Außenreklame zu benutzen wie es zum Beispiel häufig in Bremen im Steintorviertel der Fall ist.“ Eine gewisse Ästhetik sollte dabei primär im Vordergrund stehen.

Für Markus Genesius geht es im kommenden Jahr munter weiter. Im Frühjahr folgen Ausstellungen in Galerien in Montpellier und Detroit. Letztere ist dafür bekannt, die besten Sprayer weltweit auszustellen. Genesius’ künstlerischer Erfolg scheint derzeit einfach nicht zu stoppen.

Mehr Infos über den Künstler gibt es auf seiner Internetseite Markus-Genesius.de.

Text: Sheila Schönbeck
Foto: A. Stock

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