Werder-Fan Johannes Strate (2.v.r.) freut sich mit Revolverheld auf sein Heimspiel in der ÖVB-Arena. Foto: Tim Kramer

 

2015 war das erfolgreichste Jahr der Bandgeschichte: Nachdem zunächst MTV zu den längst zum Kult gewordenen „unplugged“-Konzerten lud, erhielt Revolverheld anschließend auch noch den Echo für die beste deutschsprachige Band. Im Interview spricht der gebürtige Bremer und Sänger der Band über die MTV-Konzerte, seinen Auftritt in der ÖVB-Arena und ein großes Missverständnis beim HSV.

 

Wie war es, als MTV wegen der Unplugged-Sessions anfragte?

Spitzenmäßig. Wir haben uns riesig gefreut und gleichzeitig sehr geehrt gefühlt – vor allem da MTV unplugged in einer Tradition von vielen Bands steht, die wir alle größtenteils sehr geschätzt und verehrt haben. Wenn einen dann dieser Sender anruft und fragt, ob man sich in diese Serie einreihen möchte, ist man natürlich begeistert.

 

Wie war es für Sie dann unplugged zu spielen?

Wir haben in den vergangenen Jahren öfter akustisch gespielt. Für diesen Auftritt haben wir dann aber natürlich einige Sachen neu arrangiert oder arrangieren lassen. Letztlich stand alles in einem größeren Kontext als es „nur“ auf der Akustik-Gitarre herunterzuspielen.

 

Wie lange hat die Umstellung gedauert?

Wir haben bestimmt ein Vierteljahr dafür gebraucht, gerade auch mit den Proben.

 

Beim MTV-Unplugged-Konzert waren unter anderem Annett Louisan, Rea Garvey, Heinz Strunk, Das Bo, Marta Jandová, Mark Forster, Johannes Oerding und Michel van Dyke als Gastmusiker dabei. Wird der eine oder die andere auch auf Ihrer Tour zu sehen sein?

Ja, die Leute kommen uns vereinzelt auf der Tour besuchen. In Bremen haben wir ein ziemlich gutes Line-Up.

 

Wer wird in der ÖVB-Arena mit von der Partie sein?

(lacht) Das verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Lasst euch überraschen.

 

Wie ist es für Sie in der ÖVB-Arena (ehemals Stadthalle) zu spielen?

Es ist das, wovon ich als Kind immer geträumt habe: Einmal in der Stadthalle vor Publikum zu spielen. Dort war ich früher auf Konzerten, habe da unter anderem Sting und andere Rockbands gesehen und jetzt spiele ich dort selbst. Irgendwie absurd, surreal.

 

Sie sind zweimal für Bremen beim Bundesvision Song Contest angetreten, zudem bekennender Werder-Fan – sehen Sie sich selbst auch ein wenig als Botschafter der Stadt?

Das wäre vermessen. Ich bin in Bremen geboren, in Worpswede aufgewachsen und habe anschließend wieder in Bremen gelebt und auch studiert. Ich habe in der Stadt meine ersten Feierei- und Party-Erfahrungen gemacht und kenne wahrscheinlich jeden noch so versifften Laden und jede Bar. Logisch hat die Stadt mich geprägt. Immer wenn ich zurück komme, fühlt es sich wie ein Heimspiel an.

 

Und ein bisschen stolz sind Sie auch für Ihre Stadt den Bundesvision Song Contest gewonnen zu haben, oder?

Ja, klar. Zumal wir mit Rekordpunktzahl gewonnen haben. Da es den Bundesvision Song Contest nicht mehr gibt, wird diese Zahl auch nie wieder jemand erreichen. Und so steht es auch noch bei wikipedia. Yes. Dass es uns ausgerechnet gelungen ist, im letzten Jahr den Bundesvision Song Contest nach Bremen zu holen und er dadurch immer mit Bremen in Verbindung gesetzt wird, ist natürlich großartig.

 

Im vergangenen Jahr gab es zunächst Verwunderung und anschließend Belustigung ob eines Revolverheld-Bildes, also auch mit Ihnen, mit dem Titel „Alle Mann an Bord“ auf der HSV-Internetseite. Schnell folgte nach Ihrem Einspruch („Nur der SVW“, Anm. d. Red.) eine Richtigstellung von Seiten der Hamburger. Was genau war da passiert?

Unser Schlagzeuger Jakob ist HSV-Fan. Er hat ein Interview gegeben, welches dann auf der HSV-Internetseite veröffentlicht wurde. Nur leider nicht mit einem Foto von ihm, sondern der Band. Da habe ich natürlich sofort interveniert. Die haben sich dann auch umgehend entschuldigt und der Verantwortliche, glaube ich, ziemlich einen auf den Deckel gekriegt. Aber so etwas geht natürlich auch gar nicht.

 

Vor zehn Jahren gelang mit dem zweiten Platz beim Bundesvision Song Contest und der Single „Freunde bleiben“ sozusagen der Durchbruch. Anschließend kam es aber nicht zum kometenhaften Aufstieg, sondern ging eher immer peu à peu voran …

Wir haben irgendwie immer den nächsten Schritt gemacht. Man kann von einer langsamen aber stetigen Entwicklung sprechen. In den letzten zwei Jahren ist das Ganze dann noch einmal – zumindest für unsere Verhältnisse – exorbitant explodiert. Aber aufgrund unserer Entwicklung kann man sagen, dass wir darauf vorbereitet waren.

 

Hatten Sie immer das Ziel und es sogar geplant, Rockstar zu werden?

Ich wollte immer Musik machen und viele Konzerte spielen. Aber dass das ganze irgendwann einmal so groß wird, wir die größten Arenen des Landes füllen und auch noch den größten deutschen Musikpreis für die beste Band des Landes bekommen – wer darauf gezielt hinarbeitet, ist einfach beknackt. Das ist nicht planbar. Ich habe mich immer gefreut, wenn Leute zu unseren Konzerten kamen und es mit der Zeit dann immer größer wurde.

 

Mit der Zeit scheinen sich auch Revolverheld, sowohl musikalisch als auch textlich verändert zu haben …

Das ist aber glaube ich auch völlig normal, da auch wir als Menschen uns in der Dekade selbstverständlich verändert haben. Im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 ist es auch eine wilde Zeit, da werden die Themen dann schon mal andere. Zudem wird das Schreiben von Songs natürlich mit der Zeit immer geschulter. Und so kommt es, dass das aktuelle Album kaum noch nach dem ersten klingt.

 

Die „Generation Rock“ ist deutlich poppiger geworden.

Absolut, damals waren wir noch vom Nu Metal und Crossover beeinflusst. Das ist heute sicher etwas anders geworden.

 

Revolverheld spielen auf ihrer MTV-unplugged-Tour am 16. März ab 20 Uhr in der ÖVB-Arena.